Ein willkommener Hauch von Urlaubsgefühl

Die drei Stutt­gar­ter Stadt­s­trände erfreuen sich trotz Wet­ter­ka­prio­len gro­ßer Beliebt­heit. Wirte sind mit Aus­las­tung zufrieden.

Ein paar Ton­nen Sand auf einer Frei­luft­flä­che mög­lichst am Was­ser, dazu Lie­ge­stühle, Son­nen­schirme, kühle und Getränke und eine leichte Küche — fer­tig ist der Stadt­strand. An drei Stand­or­ten kann man inzwi­schen den klei­nen Traum vom ewi­gen Strand­ur­laub erle­ben. Die Aus­las­tung ist gut, auch wenn der Som­mer ist die­sem Jahr eher durch­wach­sen ist.

Es ist der Traum von Daheim­ge­blie­be­nen aber auch all der­je­ni­gen, die aus dem wohl­ver­dien­ten Bade­ur­laub zurück in den Arbeits­all­tag kata­pul­tiert wur­den: Die ent­spannte Gefühls­mi­schung von Sonne, Sand und küh­len Drinks gleich um die Ecke stän­dig zur Ver­fü­gung zu haben. Sol­che Glücks­mo­mente auf Abruf anzu­bie­ten, schrei­ben sich in deut­schen Groß– und Klein­städ­ten immer mehr gas­tro­no­mi­sche Ein­rich­tun­gen auf die Fahne. Das Kon­zept ist eigent­lich rela­tiv sim­pel: Man ver­teile ein paar Ton­nen Sand auf einer Frei­luft­flä­che, mög­lichst am Was­ser, stelle dar­auf Mobi­liar, das man nor­ma­ler­weise an Bade­strän­den fin­det, und biete dazu kühle Drinks und eine leichte, nicht zu kom­pli­zierte Küche. In Stutt­gart gibt es inzwi­schen drei Orte, die sich in die­sem Metier versuchen.

Ibiza-Feeling für die Partypeople

Schon seit 2004 dabei ist der Sky Beach auf dem Dach des Kauf­hau­ses Gale­ria Kauf­hof in der Königs­straße. Nach­dem man den eher tris­ten Zugang durch den Hin­ter­ein­gang des Kauf­hau­ses und den leicht abge­nutzt wir­ken­den Auf­zü­gen hin­ter sich gebracht hat, erwar­tet den Besu­cher eine weit­läu­fige Flä­che, die mit einem fei­nem wei­ßen Sand und mit Holz­ter­ras­sen gestal­tet ist. „Das sind 120 Ton­nen so genann­ter Fidschi-Sand,“ sagt Geschäfts­füh­rer Lothar Mül­ler. Von den 150 Lie­ge­stüh­len und einem guten Dut­zend bettähn­li­cher Lager­stät­ten aus ist der nahezu unver­stellte Blick auf den Tal­kes­sel atem­be­rau­bend. Man fühlt sich dem Him­mel nah und kann die Abwe­sen­heit von spie­geln­den Was­ser­flä­chen schmerz­los ver­kraf­ten. „Stutt­gart ist nicht Ham­burg, wo es an jeder Ecke Was­ser gibt,“ sagt Mül­ler. Dafür zeige sich hier das unver­wech­sel­bare Flair der Stadt und auch nachts sei das Pan­orama mit den vie­len Lich­tern sehr attrak­tiv. Die Sai­son sei bis­her gut ver­lau­fen, trotz der Wet­ter­ka­prio­len. Es sei eben ein typi­scher deut­scher Som­mer, mit all sei­nen Hochs und Tiefs, meint Mül­ler. Die Beschal­lung mit elek­tro­ni­scher Musik ist recht auf­dring­lich und ver­weist auf die Beliebt­heit des Sky Beach bei einem jün­ge­ren Publi­kum, das sich etwas von der Atmo­sphäre auf der bei Tech­no­jün­gern so belieb­ten Par­ty­in­sel Ibiza schnup­pern möchte. Vor allem abends ist es rap­pel­voll, wenn sich etwa 500 Gäste auf der Flä­che tum­meln. Die neh­men dann Cock­tails für je sie­ben Euro und dazu einen der diver­sen Flamm­ku­chen (6,80 Euro). Geöff­net ist der Sky Beach von 11 bis 1 Uhr. Zwei Spe­zi­al­tipps: Immer Sonn­tags gibt es Brunch mit warm-kalten Buf­fet. Ganz beson­ders wer­den außer­dem die Voll­mond­nächte gefei­ert. Wenn dann der blei­che Erd­tra­bant seine Bahn über den Kes­sel zieht, tre­ten bekann­tere DJs und sogar Feu­er­schlu­cker auf. Heute ist übri­gens Vollmond…

Hoch über dem Fluss

Ein etwas ande­res Publi­kum zieht es an den Neckar in den Cann­stat­ter Stadt­strand. Auf dem hohen Ufer über der Bun­des­was­ser­straße, umge­ben von einer gan­zen Reihe von öffent­li­chen Spiel­an­la­gen, las­sen sich Fami­lien aus der Nach­bar­schaft, erschöpfte Besu­cher der direkt gegen­über lie­gen­den Wil­helma und Grup­pen von Rad­wan­de­rern nie­der, die eine Pause machen von der Tour auf dem Fahr­rad­uf­er­weg. Auch hier gibt es natür­lich eine ganze Reihe der unver­meid­li­chen Lie­ge­stühle aus Holz und Stoff sowie ein paar Tisch-Bank-Kombinationen Marke Bier­gar­ten. Der Sand kit­zelt recht grob zwi­schen den blan­ken Zehen. „Das ist Fluss­sand aus Mann­heim,“ sagt Inha­ber Alex­an­der Scholz, der mit der bis­he­ri­gen Sai­son recht zufrie­den ist. 300 bis 400 Gäste fin­den sich an einem nor­ma­len Tag ein. Das Was­ser ist zwar einen Stein­wurf weg und Baden darf man sowieso nicht, aber durch den alten Baum­be­stand gibt es viel Grün und dazu unbe­schwer­ten Aus­lauf für den Nach­wuchs. Der kann klet­tern, rut­schen oder Beach­vol­ley­ball spie­len. Essen und Trin­ken kann man recht güns­tig und die selbst gemach­ten Ham­bur­ger sind für um die drei Euro ein ech­ter Tipp. Geöff­net ist der Stadt­strand täg­lich von 12 bis 23 Uhr. 

Kin­der­pa­ra­dies am See

Ganz neu dabei ist der Stand­ort May-Eyth-See. Auf der sich in den See schie­ben­den Land­zunge wur­den vor vier Wochen an dem Kiosk MaxS meh­rere Ton­nen recht fei­ner Sand direkt am Ufer ver­teilt. Woher der kommt, konn­ten die bei­den Betriebs­lei­te­rin­nen San­dra Spran­ger und Edel­gard Hamann nicht mehr sagen. Da das Publi­kum fast nur aus Fami­lien besteht, ist das Ganze fast eine rie­sige Bud­del­kiste gewor­den. Am Wochen­ende tum­meln sich da manch­mal bis zu 50 Kin­der, die auch nach den von den Betrei­bern aus­ge­leg­ten klei­nen Schät­zen suchen. „Wir ver­ste­cken die aber nur ober­fläch­lich unter dem Sand, sonst wür­den die uns das kom­plett umgra­ben,“ sagt San­dra Spran­ger lächelnd. Auf Musik­be­schal­lung muss man ganz ver­zich­ten, denn auf Grund des Natur­schutz dür­fen die hier sie­deln­den Vögel nicht gestört wer­den. Auf den 25 blau-weiß-gestreiften Lie­ge­stüh­len hat man aller­dings wirk­lich das Gefühl, an einem Strand zu sit­zen, denn die Was­ser­flä­che ist nur einen Schritt ent­fernt. Baden ist nicht zu emp­feh­len, denn noch ist das See­was­ser trübe und eine Begeg­nung mit den Hob­by­ka­pi­tä­nen der Segel– und Tret­boote ist sicher­lich nicht ange­nehm. In der ange­schlos­se­nen Selbst­be­die­nungs­gas­tro­no­mie, die wie das ganze Gelände von einer gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft zur beruf­li­chen Ein­glie­de­rung von ALG-2-Empfängern betrie­ben wird, fin­det man som­mer­li­che Freibad-Klassiker: Rote Wurst, Pom­mes, Apfel­schorle. Aller­dings ist jetzt auch eine Cock­tail­bar im Ange­bot, wenn nicht gerade mal wie­der die Belas­tung mit Wes­pen zu hoch ist. Geöff­net ist abends auch nur bis 21 Uhr, wes­halb sich das hier wohl eher nicht zum Hot­spot für fei­er­wü­ti­ges Publi­kum ent­wi­ckeln dürfte.

Fazit

Eins ist klar: Die Strände sind sehr beliebt. Pro­bleme mit der Aus­las­tung hat kei­ner der Betrei­ber, es sei denn das Wet­ter spielt total ver­rückt. Aber dage­gen ist natür­lich nie­mand gefeit, der Frei­luft­gas­tro betreibt.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Ein willkommener Hauch von Urlaubsgefühl

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>