@1914Tweets: Der Beginn einer Jahrhundertkatastrophe erzählt in Tweets

Ges­tern um 14 Uhr haben wir ein Pro­jekt gestar­tet: Die Geschichte des Jah­res 1914 auf Twit­ter, zu fin­den unter @1914Tweets. Die Idee ent­stand zum Jah­res­wech­sel. Ein lang geheg­ter Plan steht nicht dahin­ter. Ein­fach mal anfan­gen. Mal sehen was pas­siert. Wie das so ist…

Die Idee ist nicht neu: his­to­ri­sche Ereig­nisse so auf Twit­ter erzäh­len, als hätte es zu der erzähl­ten Zeit Twit­ter schon gege­ben, als würde sich die Geschichte wie in einem aktu­el­len Stream aus Tweets vor den Augen der Zeit­ge­nos­sen ent­wi­ckeln. Eben so wie sich unsere Gegen­wart auf Twit­ter voll­zieht: in kur­zen prä­gnan­ten Nach­rich­ten. Geschichte in140 Zei­chen, mit Bil­dern, Ton­do­ku­men­ten und Videos.

Inzwi­schen sind 30 Stun­den ver­gan­gen und ich bin ehr­lich gesagt völ­lig baff und auch ein biss­chen auf­ge­regt. Über 750 Fol­lo­wer hat der Account bereits. Stünd­lich wer­den es mehr. Das ist erstaun­lich und unglaub­lich groß­ar­tig. Ich hatte mit der­ar­ti­gem über­haupt nicht gerech­net. Das Inter­esse, mehr Details über die­ses Jahr zu erfah­ren, ist offen­bar vorhanden.

Durch diese Reso­nanz steigt der Druck. Mir wird fast etwas schwin­de­lig, denn die Ver­ant­wor­tung muss man sehr ernst neh­men. Alles muss gründ­lich geprüft wer­den. Nicht immer sind exakte, ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen über das Mate­rial vor­han­den oder las­sen sich auf einen kon­kre­ten Tag run­ter­bre­chen. Was mich nach zwei Tagen inten­si­ver Recher­che aller­dings über­rascht: das Mate­rial an sich ist vor­han­den, in Hülle und Fülle. Es gibt end­lose Daten­ban­ken welt­weit, mit Doku­men­ten, mit Bil­dern, mit Fil­men.
Con­ti­nue rea­ding „@1914Tweets: Der Beginn einer Jahr­hun­dert­ka­ta­stro­phe erzählt in Tweets“

@1914Tweets: Der Beginn einer Jahrhundertkatastrophe erzählt in Tweets

Die Gebührenmillionen helfen nicht wirklich

13,5 Mil­lio­nen Euro pro Jahr nimmt die Uni­ver­si­tät Stutt­gart durch die Stu­di­en­ge­büh­ren ein

Vor zwei Jah­ren wur­den die Stu­di­en­ge­büh­ren ein­ge­führt. Auf einer Podi­ums­dis­kus­sion wurde am Mon­tag die Frage gestellt, ob die Mil­lio­nen rich­tig ein­ge­setzt wur­den. Fazit: Es gibt Ver­bes­se­run­gen, aber die eigent­li­che Unter­fi­nan­zie­rung der Hoch­schu­len kön­nen die Gebüh­ren­mil­lio­nen nicht beseitigen.

Wo ist das Geld geblie­ben, das die Stu­die­ren­den in Baden-Württemberg seit nun­mehr vier Semes­tern als Gebüh­ren bezah­len müs­sen? Diese Frage wollte am Diens­tag Abend bei einer Ver­an­stal­tung der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Runde aus Wis­sen­schaft und Poli­tik klä­ren, dar­un­ter Wolf­ram Res­sel, Rek­tor der Uni­ver­si­tät Stutt­gart. Der legte zunächst Zah­len vor.
Con­ti­nue rea­ding „Die Gebüh­ren­mil­lio­nen hel­fen nicht wirk­lich“

Die Gebührenmillionen helfen nicht wirklich

Tropenforscher schlagen Alarm

For­schung hinkt Bedarf hinterher

Wäh­rend die Ernäh­rungs­krise zu explo­die­rende Prei­sen und ver­stärk­ten Ver­tei­lungs­kämp­fen führt, wird die inter­na­tio­nale Agrar­wis­sen­schaft aus­ge­dünnt. Dabei wer­den Exper­ten welt­weit gebraucht. Gegen diese Ent­wick­lung pro­tes­tier­ten 600 Tro­pen­for­scher, die sich zu einem drei­tä­gi­gen Kon­gress an der Uni­ver­si­tät Hohen­heim ver­sam­melt haben.

Die Land­wirt­schaft befin­det sich welt­weit im Umbruch und muss drin­gend wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Inves­ti­tio­nen und Inno­va­tio­nen müs­sen von gut aus­ge­bil­de­ten For­schern und Exper­ten initiert und imple­men­tiert wer­den, um die aktu­elle Knapp­heit an agra­ri­schen Res­sour­cen zu bekämp­fen. Da passt es ein­fach nicht ins Bild, so die Mei­nung der aktu­ell an der Uni­ver­si­tät Hohen­heim zu einem Kon­gress ver­sam­mel­ten 600 Tro­pen­for­scher, dass die Agrar­wis­sen­schaft in Deutsch­land durch Stel­len­ab­bau wei­ter aus­ge­dünnt wird. Allein an dem in Deutsch­land in der Tro­pen­for­schung füh­ren­den Fach­be­reich an der Uni­ver­si­tät Hohen­heim seien von ehe­mals 65 Pro­fes­so­ren­stel­len noch 40 übrig geblie­ben, so Vol­ker Hoff­mann, Agrar­wis­sen­schaft­ler aus Hohen­heim. Die Zahl der deut­schen Fakul­tä­ten hal­biere sich durch die Aus­wei­sung von fünf Exzel­lenz­stütz­punk­ten schlei­chend. Schon jetzt seien die Agrar­wis­sen­schaf­ten unat­trak­tiv für Jungforscher.

Es sei zu befürch­ten, dass viele aus­ge­bil­dete Exper­ten in die Indus­trie abwan­dern oder ins Aus­land. „Das ent­spricht nicht unse­rer Stel­lung in Europa,“ sagte Hoff­mann. Dabei sei die Aus­las­tung der For­schungs­ein­rich­tun­gen gut, denn anders als noch vor ein paar Jah­ren gibt es im länd­li­chen Raum einen regel­rech­ten Boom. Ein Sym­ptom für diese Ent­wick­lung sind für die Wis­sen­schaft­ler kri­sen­haf­ten Erschei­nun­gen auf den welt­wei­ten Lebens­mit­tel­märk­ten. Vor allem die stei­gen­den Preise hat­ten in vie­len tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Län­dern die Men­schen ins Mark getrof­fen und auch in Europa zuletzt erheb­lich auf die Kon­sum­lust gedrückt. Gründe für diese Ernäh­rungs­krise sieht Georg Cadisch, Lei­ter des Hohen­hei­mer Tro­pen­zen­trums, vor allem in der ver­stärk­ten Kon­kur­renz um die glo­ba­len Res­sour­cen. Eine wach­sende Bevöl­ke­rung, der Trend in den sich ent­wi­ckeln­den Gesell­schaf­ten Asi­ens mehr Fleisch zu kon­su­mie­ren, die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels und die Erzeu­gung von Ener­gie aus Agrar­pro­duk­ten haben zu die­ser Knapp­heit beigetragen.

Aller­dings sei die­ser Ver­tei­lungs­kampf auch eine große Chance, so Cadisch. Denn durch die stei­gen­den Preise gibt es nun ver­stärkt Anreize für die han­deln­den Akteure, um in den länd­li­chen Raum zu inves­tie­ren. Vie­ler­orts fehl­ten aber die Grund­la­gen, sprich Know-how und Kapi­tal. Wenn bei­des sinn­voll und im gro­ßen Stil ein­ge­setzt würde, könn­ten viele Pro­bleme der Drit­ten Welt gelöst wer­den und in Afrika sogar zu einer grü­nen Revo­lu­tion führen.

Das ist die Auf­fas­sung von Che­ryl Palm von der New Yor­ker Colum­bia Uni­ver­si­tät. Sie berich­tete von enor­men Erfol­gen im gro­ßen Maß­stab, die Pro­gramme zur Errei­chung der UNO-Milleniumsziele haben. Gerade die Land­wirt­schaft sei für viele Ent­wick­lungs­län­der der Kern­be­reich, mit dem wirt­schaft­li­ches Wachs­tum ange­sto­ßen wer­den könne. Dabei sei eine Ver­wer­tung von Agrar­pro­duk­ten im Ener­gie­be­reich durch­aus sinn­voll, denn jetzt habe man end­lich das Mit­tel in der Hand, um kon­junk­tu­relle Del­len in Zei­ten des Über­schus­ses zu ver­mei­den, meinte Vol­ker Hoff­mann. Grund­sätz­li­che Pro­bleme bei der Ernäh­rung der Welt­be­völ­ke­rung sehen die For­scher für die nächste Zeit nicht. Es gäbe noch sehr viel unge­nutzte Poten­ziale, so die ein­hel­lige Meinung.

Nur ohne ver­stärkte uni­ver­si­täre Lehre und For­schung werde es nicht gehen. Des­halb for­dern die deut­schen Agrar­wis­sen­schaft­ler den über­fäl­li­gen Aus­bau der Kapa­zi­tä­ten an den Hoch­schu­len, wie er auch vom Wis­sen­schafts­rat emp­foh­len wurde. Nur dann könne gewähr­leis­tet wer­den, dass die vor­han­de­nen Res­sour­cen umwelt­ver­träg­lich und nach­hal­tig genutzt werden.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Tropenforscher schlagen Alarm

Die Staufer sind jetzt online

Das Würt­tem­ber­gi­sche Urkun­den­buch steht nun in digi­ta­ler Form im Inter­net zur Verfügung.

Die Inhalte und Beschrei­bun­gen von 6.500 mit­tel­al­ter­li­chen Urkun­den haben ihren Weg in das Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ter gefun­den. Statt in viel­bän­di­gen und volu­mi­nö­sen Büchern kön­nen die wert­vol­len Quel­len nun welt­weit auf dem Bild­schirm gele­sen werden.

Mit einer klei­ner Bewe­gung der rech­ten Hand wurde am Frei­tag Abend im Lan­des­ar­chiv Baden-Württemberg ein Pro­jekt abge­schlos­sen, dass in der Fach­welt Maß­stäbe setzt. Der Prä­si­dent des Archivs, Robert Kretz­sch­mar, schal­tete mit einem Maus­klick die Online-Ausgabe des Würt­tem­ber­gi­schen Urkun­den­buchs frei und machte damit eine Arbeit öffent­lich zugäng­lich, mit der fast ein Dut­zend Mit­ar­bei­ter fünf Jahre lang beschäf­tigt waren. Auf­gabe war die Digi­ta­li­sie­rung eines elf­bän­di­gen Wer­kes, des­sen erste Aus­gabe wesent­lich län­ger gedau­ert hatte, wurde es doch zwi­schen 1832 und 1911 erstellt. Wie der Name schon sagt wur­den darin alle Urkun­den voll­stän­dig ver­zeich­net, beschrie­ben und kom­men­tiert, die zwi­schen 650 und 1300 ent­stan­den und die sich auf irgend­eine Art und Weise auf Würt­tem­berg bezie­hen. Die Edi­tion sei damals eine staats­po­li­ti­sche Auf­gabe gewe­sen — weg von dem dynas­ti­schen Bezug und hin zu einem regio­na­len, erläu­terte Kretz­sch­mar die Beweg­gründe. Über 6.000 Urkun­den wur­den ver­zeich­net, eine Neu­auf­lage hat es nie gege­ben. Viel­mehr wur­den Ände­run­gen, zum Bei­spiel das Auf­de­cken einer der vie­len Fäl­schun­gen, die im Mit­tel­al­ter im gro­ßen Stil in Umlauf gebracht wur­den, in einer Kar­tei im Lan­des­ar­chiv pro­to­kol­liert. Diese Aktua­li­sie­run­gen sowie die Trans­skrip­tion in Voll­text wur­den in die aktu­elle Daten­bank ein­ge­ar­bei­tet und sogar 400 zwi­schen­zeit­lich neu ent­deckte Doku­mente hin­zu­ge­fügt. Damit ist jetzt der gesamte Bestand im Voll­text durch­such­bar und steht der welt­wei­ten For­schung auf der Web­site des Lan­des­ar­chivs selbst­ver­ständ­lich kos­ten­los zur Ver­fü­gung. (www.landesarchiv-bw.de)  

Diese Ver­füg­bar­keit ist umso wich­ti­ger, als die Ori­gi­nale der Urkun­den auf 100 Archive in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz ver­streut sind. Zum Kern­be­stand gehö­ren allein fast ein­hun­dert Kai­serur­kun­den der Stau­fer aus dem 12. und 13. Jahr­hun­dert, sowie die Urkunde mit der ers­ten Erwäh­nung Stutt­garts. Die datiert von 1229 und darin bestä­tigt der Papst Gre­gor IX dem Klos­ter Beben­hau­sen, dass der Ort „Stut­gar­ten“ zu des­sen Besitz gehört. Dass die Besied­lung der Neckarschleife schon viel frü­her ihren Aus­druck in schrift­lich nie­der­ge­leg­ten Rechts­ge­schäf­ten fand, zeigt auch die zweit­äl­teste Urkunde des Bestan­des aus dem Jahr 708. Damals hielt sich der ale­man­ni­sche Her­zog Got­fried in „Canstat ad Nec­carum“ auf und ver­schenkte die Biber­burg am Neckar (jetzt Mühl­hau­sen) an das Klos­ter St. Gal­len in der Schweiz.

Die meis­ten Urkun­den kön­nen im Moment noch nicht als Bil­der im Ori­gi­nal­zu­stand gemus­tert wer­den, was aber nach und nach ergänzt wird. Die Les­bar­keit der Ori­gi­nale ist aller­dings wegen der Ver­wen­dung von Kunst­schrif­ten für den Nicht­fach­mann sowieso stark ein­ge­schränkt. Die digi­tale Aus­gabe hat daher einige Vor­teile, vor allem die kom­ple­xen Such­ab­fra­gen bie­ten unge­ahnte Mög­lich­kei­ten. Für das inhalt­li­che Ver­ständ­nis des Mate­ri­als sind aller­dings Latein­kennt­nisse unab­ding­bar. Gleich­wohl hel­fen dabei die umfang­rei­chen Kom­men­tare der Wissenschaftler.

Bei dem „gro­ßen Moment“ für die Stutt­gar­ter Archi­vare, die sich in einer „Vor­bild­funk­tion“ sehen, war man beson­ders glück­lich, mit Rudolf Schie­fer den amtie­ren­den Prä­si­den­ten der Monu­menta Ger­ma­niae His­to­rica begrü­ßen zu dür­fen. Der betonte in einem Fest­vor­trag die unge­heu­ren Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung für die For­schung. „Die gedruck­ten Rie­sen­werke wird es nicht mehr geben. Jetzt kön­nen For­scher welt­weit und in Koope­ra­tio­nen daran arbei­ten,“ sagte Schie­fer. Die Daten des Lan­des­ar­chivs sind dafür ein wei­te­rer, wich­ti­ger Schritt.

Die Staufer sind jetzt online