Der Trend zum sozial kompatiblen Familientier

Die Tier­messe Ani­mal hat am Wochen­ende viele Mög­lich­kei­ten gebo­ten, sich über die Hal­tung von Tie­ren zu informieren  

Viele tau­send Tiere und noch mehr Men­schen fan­den sich am Wochen­ende auf der Tier­messe Ani­mal ein. Der Trend zum Haus­tier ist unge­bro­chen und geht, dass wurde bei einem Rund­gang deut­lich, zum wohl­er­zo­ge­nen, mög­lichst art­ge­recht gehal­te­nen Familienmitglied. 

Zunächst die gute Nach­richt für alle, die es nicht unbe­dingt schät­zen, wenn sich ihre lieb gewon­ne­nen Bil­der über die Welt da drau­ßen stän­dig ver­än­dern: Die ältere allein­ste­hende Dame mit dem Wel­len­sit­tich gibt es noch! Das bestä­tigt jeden­falls Erich Ernst, der am Kil­les­berg eine Tier­arzt­pra­xis betreibt, an Hand sei­ner all­täg­li­chen Erfah­run­gen. Am Wochen­ende war Ernst auf der Tier­messe Ani­mal als eine Art Wach­ha­ben­der für die ambu­lante Betreu­ung der über 5.000 vier­bei­ni­gen Teil­neh­mer der IRAS zustän­dig, der Inter­na­tio­nale Ras­se­hun­de­aus­stel­lung. Bei so vie­len Tie­ren auf engem Raum kann es schon mal zu bis­si­gen Aus­fäl­len kom­men. „Heute ist alles total ruhig, bis­her ist nichts pas­siert,“ sagte Ernst.
Con­ti­nue rea­ding „Der Trend zum sozial kom­pa­ti­blen Fami­li­en­tier“

Der Trend zum sozial kompatiblen Familientier

Mehr Menschen den schlechten Geschmack verderben

Ein eige­nes Kon­troll­sys­tem hat auf der Slow Food Meese ver­hin­dert, dass mani­pu­lierte Lebens­mit­tel ange­bo­ten wurde

Der Trend nach gesun­den, unver­fälsch­ten Lebens­mit­teln scheint unge­bro­chen. Davon pro­fi­tier­ten am Wochen­ende die Ver­an­stal­ter der Slwo Food Messe. Mit eige­nen Kon­trol­len wurde für die Ein­hal­tung der stren­gen Kri­te­rien gesorgt.

Am Wochen­ende dräng­ten sich etwa 50.000 genuss­freu­dige Besu­cher durch die Slow Food Messe. Unter dem Motto „Markt des guten Geschmacks“ konn­ten sie sich über die kuli­na­ri­schen Ange­bote von über 300 Aus­stel­lern infor­mie­ren, die vor allem regio­nale Spe­zia­li­tä­ten prä­sen­tier­ten. Dar­un­ter waren so sel­tene Pro­dukte wie Reh­sa­lami, schwä­bi­sche Wein­berg­schne­cken oder Chil­li­ho­nig. Alle Anbie­ter muss­ten sich vor Beginn der Messe ver­pflich­ten, eine Aus­stel­ler­ord­nung mit detail­lierte Vor­schrif­ten zu erfül­len, wel­che Her­stel­lungs­ver­fah­ren und Inhalts­stoffe bei den feil­ge­bo­te­nen Pro­duk­ten erlaubt sind. Geschmacks­ver­stär­ker, Farb­stoffe, Ver­di­ckungs­mit­tel, Kon­ser­vie­rungs­stoffe — all das war Tabu. 

Für die Prü­fung der Anträge sowie die Ein­hal­tung der Vor­ga­ben auf der Messe selbst waren zwei Exper­ten von Slow Food Deutsch­land zustän­dig. Der Che­mi­ker Hans Kniep­kamp und der pen­sio­nierte Wer­be­ma­na­ger Hans-Werner Bunz sind seit Jah­ren in der Orga­ni­sa­tion tätig und haben die Prin­zi­pien aus­ge­ar­bei­tet. „Wir wol­len die Wahr­haf­tig­keit des Geschmacks durch­set­zen,“ sagt Kniep­kamp. Bei Luxus­uh­ren oder Mode­ac­ces­soires woll­ten die Kun­den ja auch das Ori­gi­nal und nicht die gefälsch­ten Kopien. Da es aber auf­grund der beson­de­ren Bedin­gun­gen bei der indus­tri­el­len Groß­pro­duk­tion von Lebens­mit­teln zu Ein­bu­ßen beim Geschmack kommt, müss­ten die Her­stel­ler auf die bio­che­mi­schen Tricks der Food­de­si­gner zurück­grei­fen. Diese ver­fäl­schen den authen­ti­schen Geschmack der Aus­gangs­pro­dukte, von den bis­her aller­dings nicht nach­weis­ba­ren Gesund­heits­ri­si­ken ein­mal ganz abge­se­hen. Denn nach dem Lebens­mit­tel­recht sind diese Metho­den erlaubt. Wer aller­dings geräu­cherte Wurst­wa­ren kauft, möchte eigent­lich schon, dass diese in der Räu­cher­kam­mer gedörrt und nicht mit einer Rauch­du­sche auf aro­ma­tisch getrimmt wurden. 

Vor sol­chen Tricks schütze das Bio-Siegel allein nicht, so die Prü­fer. Das sage im Grunde nur, dass die Pro­duk­ti­ons­hilfs­stoffe eben­falls aus bio­lo­gi­schem Anbau stam­men. Dem Geschmack wurde trotz­dem auf die Sprünge gehol­fen, was nach Mei­nung der Slow-Food-Experten lang­fris­tig zu einer sen­so­ri­schen Ver­ar­mung der Ver­brau­cher führt. Seine Kin­der hät­ten sofort geme­ckert, als er pri­vat auf Slow Food umge­stellt habe, berich­tet Hans-Werner Bunz. „Papa, du hast uns den Geschmack ver­saut!“ hät­ten sie gejam­mert. Bunz amü­siert das, zeigt ihm aber, dass er mit sei­nen Akti­vi­tä­ten auf dem rich­ti­gen Weg ist. „Wir wol­len mehr Men­schen den schlech­ten Geschmack ver­der­ben,“ sagt er. 

Rund zehn Pro­zent der vor­ge­schla­ge­nen Lebens­mit­tel wur­den gar nicht erst zur Messe zuge­las­sen. Auch wäh­rend der Ver­an­stal­tung sind die Exper­ten bei Stich­pro­ben fün­dig gewor­den. Labor­kon­trol­len konn­ten keine durch­ge­führt wer­den, man hat sich auf die auf den Eti­ket­ten dekla­rier­ten Anga­ben ver­las­sen. „Totale Kon­trolle ist nicht mach­bar,“ sagt Hans Kniep­kamp. Die Aus­stel­ler hät­ten einen gewis­sen Ver­trau­ens­vor­schuss ver­dient. Moniert wur­den unter ande­rem ein paar Balsamico-Essige, bei denen mit Zucker­farb­stoff nach­ge­hol­fen wurde. Der ita­lie­ni­sche Ede­l­es­sig ist beson­ders anfäl­lig für Mani­pu­la­tio­nen, dau­ert doch die Her­stel­lung des Ori­gi­nal­pro­dukts min­des­tens ein Jahr­zehnt, bis aus dem ver­go­re­nen Wein die dun­kel­braune, fruchtig-süßliche Essenz ent­steht. Für ein Zehntel-Liter-Fläschchen sind dann schon mal 80 Euro im Laden fäl­lig. Zwar behaup­ten die Her­stel­ler der han­dels­üb­li­chen Pro­dukte nicht, diese Her­stel­lungs­me­thode ver­wen­det zu haben, dann dürf­ten sie sich mit dem Titel Aceto Bal­sa­mico Tra­di­zio­nale schmü­cken, aber bezüg­lich Far­big­keit und Kon­sis­tenz wol­len sie in drei Mona­ten Her­stel­lungs­zeit so nah wie mög­lich an das Ori­gi­nal her­an­kom­men. Ohne Ein­satz von Hilfs­mit­teln geht das nicht. Auf der Slow Food Messe konn­ten sie aller­dings damit nie­man­dem den Geschmack verderben.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Mehr Menschen den schlechten Geschmack verderben

Intergastra: Gesunder Genuss ohne Verzicht

Auf der Inter­gas­tra ste­hen regio­nale Spe­zia­li­tä­ten und gesund­heits­be­wuss­ter Genuss im Zen­trum des Interesses

 Gas­tro­no­mie und Gemein­schafts­ver­pfle­gung befin­den sich im Umbruch. Immer mehr Gäste fra­gen nach regio­na­len Spe­zia­li­tä­ten oder wol­len sich gesund­heits­be­wuss­ter ernäh­ren. Das Auf­kom­men aske­ti­scher Genuss­feind­lich­keit ist aller­dings nicht zu befürchten.

Auf der Inter­gas­tra, der Fach­messe für Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie, die noch bis Diens­tag auf der Neuen Messe statt­fin­det, ist das Thema regio­nale Lebens­mit­tel in aller Munde. Das ist durch­aus wort­wört­lich zu neh­men, denn an vie­len Stän­den von Her­stel­lern und Lie­fe­ran­ten, die den Fach­be­su­chern ihre Pro­dukte prä­sen­tie­ren, wird eif­rig gekocht und gebruz­zelt, um die Kun­den auf den Geschmack zu brin­gen. „Es gibt eine Renais­sance des Regio­na­len,“ sagt Hen­drik Mark­graf, Chef­re­dak­teur der All­ge­mei­nen Hotel– und Gastronomie-Zeitung, dem größ­ten Fach­blatt der Bran­che aus dem Stutt­gar­ter Matt­haes Ver­lag. Aller­dings wer­den diese Spe­zia­li­tä­ten nun auch zeit­ge­mäß über­ar­bei­tet, denn, und das ist der zweite Trend, das Thema Gesund­heit beherrscht die Köpfe viele Gäste. Dabei müs­sen sich die Gas­tro­no­men und Gemein­schafts­ver­pfle­ger in Betrie­ben, Uni­ver­si­tä­ten und Schu­len aller­dings eini­ges ein­fal­len las­sen, denn ver­zich­ten will nie­mand. „Der Genuss steht immer im Vor­der­grund, Askese ist nicht gefragt,“ sagt Markgraf.

Die­sen Spa­gat zwi­schen Genuss­freude und Gesund­heits­be­wusst­sein muss auch der Spätz­le­fa­bri­kant Bür­ger bewäl­ti­gen. Des­halb bas­telt man in der Dit­zin­ger Zen­trale jetzt an neu­ar­ti­gen Maul­ta­schen. Es wird eine vege­ta­ri­sche Ver­sion geben und eine Fleisch­ver­sion mit wesent­lich weni­ger Fett. „Die Kun­den wol­len nicht ver­zich­ten, son­dern cle­ver essen,“ sagt Katha­rina Bitt­ner aus der Mar­ke­ting­ab­tei­lung. Bun­des­weit bie­tet Bür­ger inzwi­schen seine Pro­dukte an und setzt dabei auf den hohen Bekannt­heits­grad des schwä­bi­schen Tra­di­ti­ons­ge­rich­tes. So hat eine aktu­elle Stu­die des Markt­for­schungs­in­sti­tu­tes Forsa erge­ben, dass die Maul­ta­sche die bekann­teste regio­nale Spe­zia­li­tät in Deutsch­land ist — nach der Weiß­wurst. 85% aller Deut­schen haben schon mal von der schwä­bi­schen Teig­ta­sche gehört.

Der Trend zum regio­na­len Lebens­mit­tel treibt auch die gan­zen Gro­ßen der Bran­che um, wie Rai­ner Tho­mas, Geschäfts­füh­rer der Metro Cash & Carry, die bun­des­weit 60 Groß­han­dels­märkte betreibt. Inzwi­schen bekommt man dort auch Boden­see­fel­chen und schwäbisch-hallisches Schwein. Sogar mit der deut­schen Slow-Food-Bewegung, die sich mit wach­sen­dem Erfolg für den Ein­satz regio­na­ler Pro­dukte stark macht, arbei­tet man inzwi­schen zusam­men. Für Tho­mas ist das eine selbst­ver­ständ­li­che Anpas­sung an die Wün­sche der Kun­den, die die ver­stärkte Nach­frage der hung­ri­gen Esser befrie­di­gen müs­sen. Das sich hier etwas geän­dert hat, kann auch Gerda Haas fest­stel­len, die über 2.000 Mit­ar­bei­ter bei der EADS in Ulm ver­sor­gen muss. „Wenn wir Lin­sen mit Spätzle auf die Karte set­zen, ist das immer der Ren­ner,“ sagt sie. Außer­dem wür­den die Kan­ti­nen­be­su­cher geziel­ter essen und die Por­tio­nen seien klei­ner geworden.

Das kann auch Den­nis Haym fest­stel­len, Ver­triebs­lei­ter beim Stutt­gar­ter Lie­fer­ser­vice Stai­ger. Seit 17 Jah­ren belie­fert man unter ande­rem das Porsche-Werk in Zuf­fen­hau­sen mit Frisch­kost und vor­be­rei­te­tem Gemüse. „Es wird inzwi­schen defi­nitv weni­ger geges­sen,“ sagt Haym. Bio­lo­gisch pro­du­zierte Lebens­mit­tel spie­len in der Gemein­schafts­ver­pfle­gung aus Kos­ten­grün­den noch keine große Rolle und auch die Gas­tro­no­mie ist eher zöger­lich. Seit aller­dings auf den Spei­se­kar­ten kenn­zeich­nungs­pflich­tige Zusatz­stoffe wie Geschmacks­ver­stär­ker, Emul­ga­to­ren oder Kon­ser­vie­rungs­stoffe ange­ge­ben wer­den müs­sen, sind zumin­dest sol­che Vor­pro­dukte fast ganz ver­schwun­den. Das Gesund­heits­be­wusst­sein steigt also, was auch Umwelt­mi­nis­te­rin Tanja Gön­ner begrüßt, die sich am Stand des Gastro­verbna­des DEHOGA für ein Schau­ko­chen zur Ver­fü­gung stellte. Äpfel schnit­zend lobte die Minis­te­rin die hohe Umwelt­ver­träg­lich­keit regio­nal pro­du­zier­ter und ver­zehr­ter Lebens­mit­tel auf Grund der gerin­ge­ren Belas­tung durch weite Trans­porte. Wirt­schaft­lich sei das sowieso gut für das Land, finde doch die kom­plette Wert­schöp­fungs­kette hier­zu­lande statt.

[Der Arti­kel ist am 11. Februar 2008 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]

Intergastra: Gesunder Genuss ohne Verzicht

Wellnessthemen mischen Mineralienbörse auf

Das wach­sende Inter­esse an der angeb­lich hei­len­den Wir­kung bestimm­ter Steine belebt die Mineralienszene

Heute beginnt die 30. Inter­na­tio­nale Mine­ra­lien– und Fos­si­li­en­börse in Halle 8 der Neuen Messe. Die 300 Aus­stel­ler haben nicht nur der Samm­ler­szene etwas zu bie­ten, son­dern auch der wach­sen­den Zahl von Inter­es­sen­ten an der eso­te­risch inspi­rier­ten Steinheilkunde.

Well­ness ist der neue Trend auf der Inter­na­tio­na­len Mine­ra­lien– und Fos­si­li­en­börse, die die­ses Jahr ihr 30. Jubi­läum fei­ert. In einer zum ers­ten Mal vor­ge­stell­ten Wellness-Oase kön­nen sich die erwar­te­ten 20.000 Besu­cher über die ver­schie­de­nen Facet­ten der Stein­heil­kunde infor­mie­ren. Damit ist nicht die orale Ver­ab­rei­chung bestimm­ter Mine­ra­lien gemeint, son­dern deren äußer­li­che Anwen­dung als Mas­sa­ge­steine, Edel­stein­öle und die Nut­zung bei Was­ser auf­be­rei­ten­den Metho­den. „Das Inter­esse aus dem eso­te­ri­schen Bereich an Mine­ra­lien hat in den letz­ten Jah­ren stark zuge­nom­men. Dem wol­len wir Rech­nung tra­gen“, sagt Bri­gitte Krawietz-Rometsch von der Mes­se­or­ga­ni­sa­tion. Warum diese Anwen­dun­gen vor allem bei Migräne, Mus­kel­ver­span­nun­gen und psy­cho­so­ma­ti­schen Erkran­kun­gen Heil­er­folge brin­gen, weiß Michael Gien­ger, Autor diver­ser stein­heil­kund­li­cher Schrif­ten, auch nicht so genau. „Ver­mut­lich hängt das mit dem ener­ge­ti­schen Aus­tausch zusam­men,“ sagt er. Die Besu­cher haben auf der Messe Gele­gen­heit, eigene Erfah­run­gen mit die­sen Metho­den zu machen. Es ste­hen eini­gen Mas­sa­ge­sta­tio­nen bereit und an einer Was­ser­bar kann nor­ma­les, durch ver­schie­dene Ver­fah­ren auf­be­rei­te­tes Trink­was­ser pro­biert werden.

 Durch diese Aus­rich­tung ver­sucht man der Messe neuen Schwung zu ver­lei­hen. Die Rech­nung könnte auf­ge­hen. Die Aus­stel­lungs­flä­che wurde um ein Vier­tel erwei­tert und die Zahl der Aus­stel­ler ist auf nun auf etwa 300 gestie­gen, von denen viele ihre Stand­flä­chen gegen­über dem Vor­jahr ver­grö­ßert haben. Des­halb kom­men die klas­si­schen Berei­che trotz­dem nicht zu kurz. Dazu tra­gen auch die Son­der­schauen bei, von denen eine dem rumä­ni­schen Gold gewid­met ist. Diese Schau wird von Franz Xaver Schmidt betreut, der beruf­lich als Lei­ter der Mine­ra­li­en­samm­lung beim Museum für Natur­kunde tätig ist. Diese Samm­lung ist nicht öffent­lich zugäng­lich, wie er bedau­ernd berich­tet. Des­halb freut er sich umso mehr, seine Schätze auf der Messe dem inter­es­sier­ten Publi­kum zu zei­gen. Zu sehen sind die diver­sen For­men mine­ra­li­schen Gol­des, die man noch heute in rumä­ni­schen Minen fin­den kann, wie zum Bei­spiel Berg­gold, sel­tene Gol­derze oder außer­ge­wöhn­li­che Mine­ra­lien wie Fullöppit.

 In einer Schauschlei­fe­rei kann man mit­ge­brachte oder erwor­bene Steine so weit wie mög­lich bear­bei­ten las­sen. Wer nicht so genau weiß, was sein kris­tal­li­nes Pracht­ex­em­plar für einen Markt­wert hat, der kann das gute Stück von Fach­leu­ten schät­zen las­sen. Stö­bern, Ein­kau­fen und Geschenke für Weih­nach­ten sichern, das kommt auf die­ser Messe auf jeden Fall nicht zu kurz, denn neben Mine­ra­li­en­händ­lern gibt es auch viele Stände mit Samm­l­er­zu­be­hör, Schmuck und Kunsthandwerk.

[Der Arti­kel ist am 23. Novem­ber 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]

Wellnessthemen mischen Mineralienbörse auf

Das Gute liegt so nah bei der Messe Lust auf Genuss

Auf der Neuen Messe hat die Lust auf Genuss Pre­miere. Die Messe bie­tet eher beschei­dene kuli­na­ri­sche Erlebnisse

Die neue Messe „Lust auf Genuss“ prä­sen­tiert seit ges­tern eine Halle voll mit kuli­na­ri­schen Erleb­nis­sen. Ein Streif­zug durch die mit Win­zern, Cho­co­la­tiers und Pfan­nen­ver­käu­fern gefüllte Halle ergab: Genuss kos­tet viel und eini­ges hält weni­ger als es ver­spricht. Es sei denn, es kommt aus der Region. 

Der gute alte Senf ist auch nicht das was er mal war. Ist wohl ein­fach nicht scharf genug. Des­halb gibt es am Stand von Tim­Rott Chili-Senf. Schärfe ist schließ­lich nicht gleich Schärfe. „Senf­schärfe spürt man in der Nase, Chili eher im Hals,“ sagt der nette Mensch, der Kost­pro­ben des Sor­ti­ments auf klei­nen bestri­che­nen Weiß­brot­stück­chen feil bie­tet. Die Leute grei­fen zu, sind neu­gie­rig auf neue Genüsse. Zu lange hat man sich mit plum­pem Mamp­fen abge­ge­ben, jetzt darf es auch was kos­ten, die kuli­na­ri­sche Welt­reise. Der Vier­tel­li­ter eines süd­mar­ro­ka­ni­schen Öls aus der Arga­n­a­frucht geht für 25 Euro über den Tisch und schmeckt wie Öl halt so schmeckt. Das hand­tel­ler­große Steak vom Fleisch des Wagyu-Rinds aus ame­ri­ka­ni­scher Züch­tung kommt mit Papp­tel­ler auf den Steh­tisch und hält nach Mei­nung von Bernd See­mann nicht, was der Apotheken-Preis ver­spricht. „Schmeckt schon beson­ders, ist aber für 17,50 zu teuer,“ sagt er. Mit sei­nem Freund ist der 59-jährige Kauf­mann aus Reut­lin­gen auf die Messe gekom­men und ist nicht begeis­tert. Einen Satz Koch­mes­ser wollte der „nicht ambi­tio­nierte Ama­teur­koch“ sich besor­gen, aber die gibt es hier nicht. Vom Ange­bot der „Lust auf Genuss“ ist er ent­täuscht und wird sich einen zukünf­ti­gen Besuch gut überlegen.

 Auf ihre Kos­ten kom­men auf jeden Fall die Freunde regio­na­ler Weine. Die ganz cle­ve­ren kau­fen sich schon am Ein­gang ein Pro­bier­glas wahl­weise mit Extra­bän­del zum Umhän­gen. Dann kann man am gro­ßen, moder­nen Gemein­schafts­stand der Wer­be­ge­mein­schaft Würt­tem­ber­gi­scher Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaf­ten die Pro­dukte von 24 Win­zern tes­ten. Die wer­den immer bes­ser, vor allem der Rot­wein, meint der Geschäfts­füh­rer Kurt Huber, der sich über wach­sen­den Absatz außer­halb des Lan­des freut. Trotz­dem hat er hier ein Heim­spiel, denn hier­zu­lande wird nicht nur fast dop­pelt so viel Wein pro Kopf getrun­ken wie in der Restre­pu­blik, son­dern vor allem dem eige­nen Gewächs den Vor­zug gege­ben: 70 Pro­zent der Pro­duk­tion bleibt im Land.

Schade, dass man in hie­si­gen Regio­nen kei­nen Kakao anbauen kann, wäre bestimmt ein Rie­sen­er­folg. Denn wie der Wein, wird jetzt auch die Scho­ko­lade ein sor­ten­rei­nes Pro­dukt, bei dem auf Her­kunft und Sorte geach­tet wird. „Grand Cru“ heißt denn auch in Anleh­nung an die Wein­welt eine Pro­dukt­reihe der Firma Beschle, die der Online-Händler Cho­co­lat de Luxe an sei­nem Stand anbie­tet. Das Wis­sen um die Lage der Pflan­zung, der Kakaos­orte, des Jahr­gangs und der Aro­men, die die umge­ben­den Pflan­zen an die Früchte des Schat­ten­ge­wäch­ses abge­ben, machen aus dem gemei­nen Nascher einen lut­schen­den Genussmenschen.

Die schei­nen auch gerne ganz dicke Autos zu lie­ben. So prä­sen­tiert sich die Firma Rich-Prosecco vor einer schwar­zen extral­an­gen Stretch­li­mou­sine der Marke Hum­mer. Wild Pas­sion, Kir Royal und Klas­sik hei­ßen die drei Sor­ten des belieb­ten Italo-Sekts, den Rich, und das war die sen­sa­tio­nelle Inno­va­tion, in klei­nen gol­de­nen Dosen ver­kauft. Pro­secco aus Dosen, muss das denn sein? Das haben sich vor einem Jahr die meis­ten Bran­chen­in­si­der gefragt und größ­ten­teils mit Nein beant­wor­tet. Inzwi­schen hat Rich über 10 Mil­lio­nen Ein­hei­ten abge­setzt, nicht weil das Getränk so edel wäre, son­dern wohl vor allem wegen des genia­len Mar­ke­ting­kon­zepts. Zur Absatz­för­de­rung wurde näm­lich das Glamour-Girl Paris Hil­ton enga­giert, das lebens­groß und leicht beklei­det in allen Super­märk­ten als Papp­fi­gur das Pro­dukt in die Köpfe der Ziel­gruppe brachte. Mit ver­fei­ner­tem Genuss hat das rein gar nichts zu tun, eher mit dem woh­li­gen Gefühl, mal vom leicht ver­ruch­ten Luxus-Lotterleben zu kos­ten. Ein paar Trop­fen wenigs­tens, aus der Büchse.

Denn Luxus ist in, der kommt ganz groß raus, eigent­lich, also bei denen, die sich das leis­ten kön­nen. Die gehen dann zur Gour­met Schmiede in Otters­wei­ler und las­sen sich ein Fest aus­rich­ten. Gabriele Wacker ist Geschäfts­füh­re­rin und berich­tet von enorm gestie­ge­nem Inter­esse an ihren Cate­ring­leis­tun­gen. Sie orga­ni­siert viel für Fir­men, aber auch die Pri­va­ten las­sen sich nicht lum­pen. Eine kom­plette Hoch­zeit für 100 Gäste mit Zelt im Gar­ten und allen drum­herum kann dann schon mal auf 20.000 Euro kom­men. Über Aus­las­tung ihrer 50 Mit­ar­bei­ter kann sie nicht kla­gen, fast jeden Tag hat sie irgend­ei­nen Ter­min. Aber muss denn jetzt Genuss wirk­lich teuer sein? Gibt es denn da keine Schnäpp­chen oder so was? Gibts. Berge fri­scher, preis­güns­ti­ger Würste aus der Tos­kana oder fünf Liter kala­b­re­si­sches Oli­venöl für 40 Euro. Der Hit: Eine Tra­ge­ta­sche mit Köst­lich­kei­ten von den Fil­dern: Sau­er­kraut, Rot­kohl, Gur­ken, Pusz­ta­s­a­lat. Für fünf Euro. Das Gute liegt so nah …

Die Messe Lust auf Genuss fin­det in der Halle 4 der Neuen Messe am Flug­ha­fen statt und ist noch bis Sonn­tag jeden Tag von 10 bis 20 Uhr geöff­net. Tages­karte kos­tet zwölf Euro, ermä­ßigt neun Euro inklu­sive VVS-Fahrschein. Vor­ver­kauf in vie­len Lotto-Totto-Kiosken.

[Der Arti­kel ist am 23. Novem­ber 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]

Das Gute liegt so nah bei der Messe Lust auf Genuss