Interview als Gastronomie-Experte bei RTL Extra: Warenunterschiebung und Betrug in der Gastronomie

Extra - Das RTL MagazinAm Mon­tag, den 24. Februar um 22.15 Uhr, werde ich als Gas­tro­no­mie­ex­perte in dem Reportage-Format Extra — das RTL-Magazin mit einem Inter­view auf­tre­ten. Thema des dort ver­öf­fent­lich­ten Berich­tes: Waren­un­ter­schie­bung und Betrug in der Gas­tro­no­mie. Ich bin in der Sen­dung in mei­ner Eigen­schaft als Chef­re­dak­teur von Restaurant-Kritik.de zu sehen. Um was geht es bei die­sem Thema? Hier ein paar Informationen.

Dirk Baranek bei RTL

Betrug in der Gas­tro­no­mie: Wor­auf sollte man als Gast achten?

Als nor­ma­ler Gast begibt man sich bei einem Restau­rant­be­such in ein beson­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis. Man will das bekom­men, was man bestellt hat und nicht irgend­et­was ande­res, was viel­leicht ähn­lich aus­sieht oder so schmeckt. Man will nicht für etwas bezah­len, was man dann nicht bekommt. Das ist eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, man sollte gar nicht dar­über reden müs­sen. Aber es kommt eben immer wie­der vor, das Gas­tro­no­men, natür­lich vor allem aus finan­zi­el­len Erwä­gun­gen, der­ar­tige Tricks anwen­den und ihre Gäste ver­su­chen hin­ters Licht zu füh­ren. Pro­blem: Man kann sich nur mit erheb­li­chem Fach­wis­sen davor schüt­zen, denn selbst aus­ge­wie­sene Lebens­mit­tel­tech­no­lo­gen sind enorm gefor­dert, wenn fal­scher Käse oder Bil­lig­fisch unter­ge­scho­ben wird.
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Interview als Gastronomie-Experte bei RTL Extra: Warenunterschiebung und Betrug in der Gastronomie

Gefängnisstrafe für Kokaindeal

Ein Kilo Kokain wollte ein 34-Jährige Anfang des Jah­res an den Mann brin­gen. Was er nicht wusste: Bei sei­nen Geschäfts­part­nern han­delt es sich um ver­deckte Ermitt­ler des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes. Ges­tern wurde er vor dem Land­ge­richt zu einer Gefäng­nis­strafe von drei­ein­halb Jah­ren verurteilt.

Drei­ein­halb Jahre Gefäng­nis­haft lie­gen vor einem 34-Jährigen, der Anfang April bei einem Dro­gen­ge­schäft in Feu­er­bach ver­haf­tet wurde. Trotz Vor­stra­fen, die er aller­dings wegen ande­rer Delikte erhal­ten hatte, kam der im Alter von 12 Jah­ren aus dem ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wien ein­ge­wan­derte Mann bei dem gest­ri­gen Pro­zess vor dem Stutt­gar­ter Land­ge­richt noch recht glimpf­lich davon. Die Staats­an­walt­schaft hatte vier­ein­halb Jahre Gefäng­nis gefor­dert, aber das Gericht hielt dem Ange­klag­ten zugute, dass er mit der Poli­zei koope­riert habe, voll gestän­dig sei und dass die Dro­gen kom­plett aus dem Ver­kehr gezo­gen wer­den konnten.

Die Ver­hand­lung erlaubte einen klei­nen Ein­blick in die aus­ge­feil­ten Metho­den der hie­si­gen Straf­ver­fol­ger, vor dem auch der Ver­tei­di­ger den Hut zog: „Das sind echte Pro­fis“, sagte er in einer Ver­hand­lungs­pause. Anfang 2008 hatte der Beschul­digte zufäl­lig eine Frau in dem Lokal Mau­ri­tius in der Mari­en­straße ken­nen­ge­lernt, die er als „eine Art Edel­pro­sti­tu­ierte“ wahr­nahm. Neben der Ver­mitt­lung von bil­li­gen Ziga­ret­ten, die bei­den kamen beim Rau­chen auf der Ter­rasse des Lokals ins Gespräch, ging es schnell um die mög­li­che Lie­fe­rung von Rausch­gift. Ein Bekann­ter habe ihm die Ver­mitt­lung sol­cher Geschäfte offe­riert. Etwa ein Vier­tel­jahr spä­ter habe er die Frau, die sich Tina nannte, in einer Bar in der Theodor-Heuss-Straße wie­der­ge­trof­fen. Diese habe ihm von einer bevor­ste­hen­den Party erzählt und dass man dafür noch „wei­ßes Pul­ver“ brau­che, ob er das besor­gen könne.

Was der Mann nicht wusste: Bei Tina han­delte es sich um eine Ver­trau­ens­per­son des Landeskriminalamtes.

Das Geschäft kam in Gang und endete schließ­lich Anfang April in der Woh­nung eines Bekann­ten des Ange­klag­ten in Feu­er­bach. Dort traf er sich mit einem Micha, einem angeb­li­chen Ver­trau­ten der Frau, und über­gab die Ware. In Wahr­heit han­delte es sich bei Micha um einen ver­deck­ten Ermitt­ler des LKA, der das Kokain an sich nahm und den Mann zwecks Geld­über­gabe auf die Straße lockte, wo der poli­zei­li­che Zugriff erfolgte. Danach wurde mit Hilfe des Man­nes umge­hend ver­sucht, an des­sen Lie­fe­ran­ten zu kom­men, was aber in der City scheiterte.

Das Gericht folgte den Aus­sa­gen des reui­gen Ange­klag­ten und sah in den Begleit­um­stän­den des eher unpro­fes­sio­nel­len ein­ge­fä­del­ten Geschäfts des­sen Anga­ben bestä­tigt, er habe das zum ers­ten Mal gemacht. 

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Gefängnisstrafe für Kokaindeal

Anklage wegen Anlagebetrug

Ein 64-Jähriger, der bei einem Anla­ge­be­trug in erheb­li­chem Umfang mit­ge­wirkt haben soll, wurde ges­tern vor dem Land­ge­richt ange­klagt. Der bis­her nicht auf­fäl­lig gewor­dene KFZ-Unternehmer soll mit einem Kom­pli­zen drei Geschä­digte um mehr als 700.000 Euro gebracht haben. Ges­tern ver­suchte das Gericht ein Geständ­nis zu erreichen.

Ist es die Über­zeu­gungs­kraft und kri­mi­nelle Ener­gie des Betrü­gers oder die Leicht­fer­tig­keit raff­gie­ri­ger Anle­ger? Wel­cher Fak­tor letzt­end­lich den Aus­schlag gibt bei der Anbah­nung und Durch­füh­rung von Betrugs­de­lik­ten, bei denen Pri­vat­leute große Geld­sum­men auf Grund enor­mer Ren­di­te­ver­spre­chun­gen ande­ren über­las­sen, ist die Auf­gabe, vor deren Klä­rung dann die Gerichte ste­hen. So auch ges­tern vor der 17. Gro­ßen Straf­kam­mer am Land­ge­richt. Dort wurde von der Staats­an­walt­schaft Anklage erho­ben gegen einen 64-Jährigen wegen gemein­schaft­li­chen und gewerbs­mä­ßi­gen Betrugs.

Zusam­men mit einem wei­te­ren ein­schlä­gig vor­be­straf­ten und zur­zeit ein­sit­zen­den Haupt­tä­ter soll der Ange­klagte im Som­mer 2004 in drei Fäl­len ins­ge­samt 725.000 Euro ein­ge­sam­melt und danach zumin­dest teil­weise in die eige­nen Taschen gelei­tet haben. Ver­spro­chen wur­den den Geschä­dig­ten bei angeb­li­chen Geschäf­ten mit so genann­ten Bank­ga­ran­tien Ren­di­ten von bis zu zehn Pro­zent vom ein­ge­reich­ten Kapi­tal — pro Woche! In einem ande­ren Fall wur­den dem Opfer Anteile an einem lukra­ti­ven Geschäft mit einer Büro­im­mo­bi­lie ver­kauft. Der Mann über­wies dar­auf­hin eine halbe Mil­lion Euro auf ein Konto nach Öster­reich, das dann von dem Ange­klag­ten und des­sen Mit­tä­ter abge­räumt wurde. Wo das Geld blieb, ist unklar.

Wie der bis­her poli­zei­lich nicht in Erschei­nung getre­tene Beschul­digte, der 1966 aus Kroa­tien nach Deutsch­land kam und sich hier eine zunächst gut gehende und dann kri­selnde KFZ-Werkstatt in Stamm­heim auf­baute, der Stutt­gar­ter Zei­tung in einer Ver­hand­lungs­pause schil­derte, sei er selbst gut­gläu­big auf die Ver­spre­chun­gen des alten Bekann­ten her­ein­ge­fal­len. „Ich war so blöd und habe ihm gehol­fen,“ sagte er. Inzwi­schen habe er seine Firma, sein beschei­de­nes Ver­mö­gen und sei­nen guten Namen ver­lo­ren. Er legte Wert auf die Fest­stel­lung, dass er seit sei­ner Ankunft in Deutsch­land jeden Tag gear­bei­tet habe und bis heute sein Aus­kom­men allein bestreite.

Ges­tern ver­such­ten Gericht, Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung zu einer Ver­ab­re­dung außer­halb des Gerichts­saals zu kom­men. Dabei ging es wohl um eine Abspra­che, bei der geklärt wird, wel­ches Straf­maß der Ange­klagte zu erwar­ten hat, wenn er die ihm zur Last geleg­ten Straf­ta­ten ein­ge­steht. „So etwas ist durch­aus üblich in sol­chen Ver­fah­ren,“ sagte der ankla­gende Staats­an­walt See­ger in einem all­ge­mei­nen Hin­ter­grund­ge­spräch ohne sich kon­kret zu die­sem Fall zu äußern. Meist liege ein sehr kom­pli­zier­ter Ver­lauf vor. Es sei oft sehr schwie­rig, im ein­zel­nen genau nach­zu­wei­sen, was mit dem Geld pas­siert sei, d.h. ob es zu pri­va­ten Zwe­cken ver­un­treut oder viel­leicht doch, wenn auch erfolg­los, ange­legt wor­den sei. „Meis­tens ist das Geld aber weg,“ sagte Seeger. 

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Anklage wegen Anlagebetrug

Prozess wegen Autoschieberei

Meh­rere hun­dert­tau­send Euro soll der Scha­den betra­gen, den eine Bande von Auto­schie­bern im letz­ten Jahr ver­ur­sacht haben soll. Ges­tern begann der Pro­zess gegen einen 38-Jährigen, der aber die ihm zur Last geleg­ten Taten abstritt. Die Staats­an­walt­schaft wirft ihm gewerbs­mä­ßige Heh­le­rei und Ban­den­mit­glied­schaft vor.

Die Masche war nach Ansicht der Staats­an­walt­schaft immer die glei­che. Man besorgt sich auf der Basis von Lea­sing­ver­trä­gen hoch­wer­tige Last­wa­gen und Klein­trans­por­ter, bevor­zugt der Mar­ken Mercedes-Benz und MAN, und mel­det die Autos nach einer gewis­sen Zeit als gestoh­len. Anschlie­ßend wer­den die Fahr­zeuge über die Tür­kei nach Syrien geschafft und dort mit Gewinn ver­kauft. Auf diese Art und Weise sol­len laut gest­ri­ger Anklage vor der 16. Straf­kam­mer des Land­ge­richts fast zwei Dut­zend Fahr­zeuge ver­scho­ben wor­den sein. Gesamt­scha­den: meh­rere hun­dert­tau­send Euro.

An die­sen Straf­ta­ten mit­ge­wirkt zu haben, wird ein 38-Jähriger beschul­digt, der 1992 aus der Zen­tral­tür­kei als Stu­dent nach Deutsch­land ein­wan­derte. Hier schlug er sich aber zunächst als Kell­ner und Pro­duk­ti­ons­hel­fer durch und arbei­tete in der Trans­port­firma eines älte­ren Bru­ders. Zeit­weise betä­tigte er sich als Bau­un­ter­neh­mer in Bietigheim-Bissingen und hatte zuletzt ein gro­ßes Ein­zel­han­dels­ge­schäft im west­fä­li­schen Bie­le­feld. Das ging offen­sicht­lich gut, wie der Ange­klagte aus­führte, denn er habe über­haupt gar kei­nen Anlass gehabt, diese ille­ga­len Geschäfte zu täti­gen. Inzwi­schen war er aber schon ins Visier der Ermitt­lungs­be­hör­den gera­ten, die auch sein Tele­fon über­wach­ten. Teile der Anklage fußen zudem auf Aus­sa­gen wei­te­rer Per­so­nen, die zu dem Bezie­hungs­ge­flecht gehör­ten und bereits vor Gericht stan­den. Staats­an­walt Hengst­ler sieht es jeden­falls als erwie­sen an, dass der Ange­klagte sich der gewerbs­mä­ßi­gen Heh­le­rei als Mit­glied einer Bande schul­dig gemacht hat.

Nächste Woche wer­den daher ins­ge­samt 19 Zeu­gen vor Gericht erschei­nen, um ihre Aus­sage zu machen. Schon ges­tern wurde klar, dass es eini­gen Auf­wand kos­ten wird, das Geflecht von Ver­wand­ten und Bekann­ten zu ent­wir­ren, in dem sich der Ange­klagte bewegte und das fast an mafiöse Struk­tu­ren erin­nert. Die­ser Ein­druck wurde durch Ein­las­sun­gen des Ange­klag­ten erhär­tet, der zugab, den Kauf eines 9mm-Revolvers ver­mit­telt zu haben. Ein Bekann­ter habe „Pro­bleme mit Leu­ten“ gehabt und ihn nach Mög­lich­kei­ten gefragt, eine Schuss­waffe zu erwer­ben. Auf seine Ver­mitt­lung hin kam es dann zu der Über­gabe der Pis­tole im März 2007 auf dem Park­platz der Moschee in Feu­er­bach. Die 1.200 Euro, die dafür fäl­lig waren, wur­den von dem Ange­klag­ten bezahlt, der sie als „Geschenk“ wei­ter­gab, so seine Aus­sage ges­tern. Auch sonst war man nicht zim­per­lich. Mehr­fach wurde offen­bar intern bespro­chen, miss­lie­bige, kon­kur­rie­rende Geschäfts­leute und Zeu­gen mit nega­ti­ven Aus­sa­gen vor Gericht mit kör­per­li­cher Gewalt zu bedro­hen oder deren Läden anzu­zün­den. Für den Ange­klag­ten waren all das nur „Scherze“ und Miss­ver­ständ­nisse der Ermitt­ler auf­grund der für blu­mige Redens­ar­ten bekann­ten tür­ki­schen Sprache.  

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Prozess wegen Autoschieberei

Messerstecherei wegen Liebeshändel jetzt vor Gericht

Ein 21-Jähriger aus Wan­gen muss sich wegen ver­such­tem Tot­schlag vor der 2. Jugend­kam­mer des Land­ge­richts verantworten.

Gerade aus der Haft ent­las­sen begann der Ange­klagte ein Ver­hält­nis mit der lang­jäh­ri­gen Ver­lob­ten des Bru­ders des spä­te­ren Opfers. Die­ser hatte sich bei einem Streit zwi­schen die Kon­tra­hen­ten gewor­fen und trug dabei eine schwere Ver­let­zung durch einen Mes­ser­stich davon. War es Not­wehr oder ver­such­ter Tot­schlag, diese Frage muss das Gericht nun klären.

Vor der zwei­ten Jugend­kam­mer des Land­ge­richts hat die Staats­an­walt­schaft Stutt­gart ges­tern Anklage gegen einen 21-Jährigen wegen ver­such­ten Tot­schlags erho­ben. Die Tat ereig­nete sich am Abend des 8. Januar die­sen Jah­res beim Insel­bad in Unter­türk­heim. Im Zuge einer Aus­ein­an­der­set­zung mit zwei jun­gen Män­nern, den Brü­dern Mai­kel und Rafi A., zu dem sich das ver­ab­re­dete Tref­fen ent­wi­ckelte, hatte der Ange­klagte dem jün­ge­ren der bei­den Brü­der ein Küchen­mes­ser in den Rücken gerammt. Das Tat­werk­zeug, des­sen Griff beim Zuste­chen abbrach, hatte eine 6,5 Zen­ti­me­ter lange Klinge und ver­ur­sachte eine schwer­wie­gende Ver­let­zung. Das Opfer hatte aller­dings erheb­li­ches Glück im Unglück, denn obwohl die Klinge durch Kunst­le­der­ja­cke und Pull­over fast voll­stän­dig ein­drang, wur­den keine inne­ren Organe ver­letzt. Trotz­dem musste der schwer Ver­letzte ope­riert wer­den und zwei Wochen im Kran­ken­haus blei­ben. Noch heute habe er Schmer­zen, sagte der junge Mann ges­tern als Zeuge aus. Die Staats­an­walt­schaft sieht es nach den Ergeb­nis­sen der bis­he­ri­gen Ermitt­lun­gen als erwie­sen an, dass der Täter es „zumin­des­tens bil­li­gend in Kauf nahm, durch den kraft­vol­len Stich lebens­wich­tige Organe zu ver­let­zen,“ wie Staats­an­walt Ger­not Bles­sing in sei­ner Anklage sagte.

In der Ver­hand­lung ges­tern erga­ben sich erheb­li­che Wider­sprü­che zwi­schen der Aus­sage des Täters und des Opfers bezüg­lich des Tat­her­gangs. Der Beschul­digte, der im Alter von zwei Jah­ren mit drei Geschwis­tern und sei­nen Eltern aus dem Kosovo nach Deutsch­land kam, bestritt die Tötungs­ab­sicht und berief sich auf sein Recht auf Not­wehr. Die bei­den Brü­der hät­ten ihn mehr­fach geschla­gen, sodass er keine andere Mög­lich­keit gese­hen habe, als sich mit dem angeb­lich zufäl­lig mit­ge­führ­ten Mes­ser zur Wehr zur set­zen, um sich zu schüt­zen. Mehr­fach habe er den Tat­ort wäh­rend des  Wort­wech­sels ver­las­sen wol­len, was aber nicht mög­lich gewe­sen sei. Den Aus­sa­gen nach ging es bei dem Tref­fen um ein Thema, über das sich die Betei­lig­ten zu der Zeit schon seit Wochen gestrit­ten hat­ten. Anlass war eine Bezie­hung des Ange­klag­ten mit der lang­jäh­ri­gen Freun­din des älte­ren Bru­ders Rafi, Chris­tina  Sch.. Aus dem Tech­tel­mech­tel, in des­sen Ver­lauf die bei­den sich übri­gens inner­halb von etwa einem Monat 1.4000 SMS schick­ten, schien etwas erns­tes zu wer­den, was Rafi A. natür­lich nicht schme­cken konnte.

Immer wie­der habe Rafi A. mit ihm gere­det und bei ihm ange­ru­fen, ob seine Ver­lobte gerade mit ihm zusam­men sei. An dem frag­li­chen Abend habe man sich noch­mals vor dem Insel­bad ver­ab­re­det, um die Summe von 30 Euro zu über­ge­ben, die der Ange­klagte den Brü­dern schul­dete. Nach der Geld­über­gabe sei dann der Streit über das Thema wie­der aus­ge­bro­chen. Anwe­send waren dort aber nicht nur die bei­den Kon­tra­hen­ten, son­dern auch der jün­gere Bru­der und die ehe­ma­lige Ver­lobte. Als die Aus­ein­an­der­set­zung schließ­lich eska­lierte, sei es zu Schub­se­reien gekom­men, wor­auf­hin der Täter ein Mes­ser gezo­gen habe. Des­sen ers­ter Ver­such, sei­nen Bru­der zu ver­let­zen, sei geschei­tert, berich­tete der jün­gere der bei­den ges­tern. Der zweite habe dann ihm gegol­ten und er sei am Rücken ver­letzt sofort bewusst­los zusammengebrochen.

Diese Dar­stel­lung steht im Wider­spruch zu den Dar­stel­lun­gen des Ange­klag­ten, der sich nicht nur bedroht sah, son­dern aus­führte, er sei von den Brü­dern mit Faust­schlä­gen ein­ge­deckt wor­den und fast zu Boden gegan­gen. Dar­auf­hin habe er mit dem Mes­ser, das er im Laufe des Tages zwecks Ves­per in der Mit­tags­pause auf der frisch ange­tre­te­nen Arbeit als Gebäu­de­rei­ni­ger mit sich geführt habe, aus der Jacken­ta­sche geholt und ein­mal zuge­sto­chen. Es sei reine Not­wehr gewe­sen, führte er aus, was aller­dings nach Mimik und Kör­per­spra­che zu urtei­len, nicht recht glaub­wür­dig wirkte. Auch wies er wohl nach der Tat keine Bles­su­ren auf, die auf eine Schlä­ge­rei deu­ten ließen.

Tat­säch­lich steht für den Ange­klag­ten auch eini­ges auf dem Spiel. Sein Straf­re­gis­ter weist etli­che Ein­tra­gun­gen auf wegen Kör­per­ver­let­zun­gen und Dro­gen­de­lik­ten. Zur Tat­zeit war er zur Bewäh­rung auf freiem Fuß, wes­halb ihn der Unter­su­chungs­rich­ter auch nach der Fest­nahme in sei­ner Wan­ge­ner Woh­nung kurz danach in Unter­su­chungs­haft nahm, aus der er bis­her nicht ent­las­sen wurde. Bei einer Ver­ur­tei­lung wegen ver­such­tem Tot­schlag droht ihm nun eine län­gere Haft­strafe. Bei den zwei wei­te­ren, vom Gericht ange­setz­ten Ter­mi­nen tre­ten in den fol­gen­den Tagen ins­ge­samt elf Zeu­gen auf sowie ein medi­zi­ni­scher Sach­ver­stän­di­ger. Der soll unter ande­rem klä­ren, wie die Stich­ver­let­zung zustande gekom­men sein muss.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zeitung]

Messerstecherei wegen Liebeshändel jetzt vor Gericht