Eine Grafik verbreitet sich auf Facebook

Wie kann man die Ver­brei­tung eines Ein­trags bei Face­book erhö­hen? Diese Frage stel­len sich viele Online-Redaktionen, die pro­fes­sio­nell auf Face­book arbei­ten. Wir reden hier über sich selbst auf­bau­ende Reich­weite, eben über die beson­dere Dyna­mik der Ver­brei­tungs­me­cha­nis­men sozia­ler Netz­werke: Freund erzählt Freun­din erzählt Freund erzählt.

Es gibt bei der inhalt­li­chen Gestal­tung eines Ein­trags unter­schied­li­che Tech­ni­ken, rhe­to­ri­scher und gestal­te­ri­scher Natur, um eine lawi­nen­ar­tige Ver­brei­tung aus­zu­lö­sen oder zumin­dest wird ver­sucht, diese wahr­schein­li­cher zu machen. Eine letzte Sicher­heit gibt es nicht, denn man kann nicht vor­her­sa­gen, ob ein Bei­trag wirk­lich zündet.

Wie es funk­tio­nie­ren kann, in klei­nem Maß­stab, und was genau pas­siert, das kön­nen wir an die­sem Bei­spiel für die Face­book­seite der SPD Baden-Württemberg zei­gen.

Die SPD wird ihre Mit­glie­der abstim­men las­sen, ob die Par­tei im Bund eine Große Koali­tion ein­ge­hen soll. Wer also Mit­glied ist oder genau jetzt wird, stimmt direkt über diese Frage ab. Eine gute Gele­gen­heit für Mit­glie­der­wer­bung. Denn wann kann man schon so umit­tel­bar die ganz große Poli­tik mitgestalten?

Die Kom­mu­ni­ka­tion war in den letz­ten Wochen auf der Face­book­seite sehr aktiv. Die Pos­ting­fre­quenz war hoch, die Inter­ak­tio­nen zahl­reich. Es gab viele enga­gierte Ein­träge zum Thema #GROKO. Es wur­den mit allen Bei­trä­gen Reich­wei­ten von durch­weg 20–50% der Fans erzielt.

Jetzt also eine kleine Mit­glie­der­kam­pa­gne. Wir haben dar­auf­hin fol­gen­den Ein­trag ent­wi­ckelt beste­hend aus die­sen Elementen:

  • Text­gra­fik mit Social-Media-Referenz und kla­rer Aussage.
  • Anrei­ßer­text mit Call-to-Action
  • Getrackte Shor­tURL zur Anmel­d­e­seite der BundesSPD

Das Pos­ting auf Face­book erschien dann so:

SPD-Mitglied-werden-Posting

Die Reak­tio­nen über­tra­fen unsere Erwar­tun­gen. Ins­ge­samt hat die Gra­fik fol­gende Inter­ak­tio­nen ausgelöst

  • 17 Kom­men­tare
  • 40 Likes
  • 55 mal direkt geteilt

Für die Reich­weite sind natür­lich die vie­len Sha­res das Ent­schei­dende. Schon allein damit wur­den 150% der Fan­ba­sis erreicht.

Das ist aber noch nicht alles: Das Bild wurde in eini­gen gro­ßen SPD-Kanälen auf Face­book neu hochgeladen.

Alles in allem gehen wir davon aus, dass die­ses Facebook-Sharepic deut­lich über 700% auf der Basis der Fans erreicht hat. Über 20.000 rele­vante Kontakte.

Sicher: Bei einem gewis­sen Teil der Reich­weite ist die Infor­ma­tion „SPD Baden-Württemberg“ ver­lo­ren­ge­gan­gen. Unsere Ver­mu­tung ist aller­dings, dass das Bild auch des­halb so gut ange­nom­men wurde, weil es ohne star­kes SPD– bzw. SPDBW-Branding prä­sen­tiert wurde.

Zudem stellt die inhalt­li­che, direkte Bezug­nahme auf das Nut­zer­ver­hal­ten bei Twit­ter und Face­book eine Ver­bin­dung zu die­sen Netz­wer­ken her. Der Nut­zer erkennt sich sozu­sa­gen selbst wie­der. Ob es des­halb gezün­det hat? Der tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche Aus­lö­ser für das Han­deln vor einem ins­ge­samt posi­tiv gestimm­ten Hin­ter­grund? Aber jetzt befin­den wir uns schon wie­der im Reich der Spe­ku­la­tion, eben bei der Frage, was auf Face­book „funk­tio­niert“ und was nicht — im publi­zis­ti­schen Sinne.

Eine Grafik verbreitet sich auf Facebook

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