Hallo und Guten Tag.

Wir sind eine Social-Media-Agentur in Stuttgart. Websites, Blogs und Social-Media-Kanäle zu entwickeln und komplett zu betreuen ist unser Alltagsgeschäft. Hier berichten wir von unserer Arbeit. Gerne werden wir für Sie tätig.

Praxis: Daran arbeiten wir.
  • Social Media für Restaurant-Kritik
  • @1914Tweets
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In der Online-Kommunikation sind wir für sehr verschiedene Unternehmen tätig, von GFT über LG bis hin zur SPD.
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Twitter, Facebook, Google+, Instagram – man verliert schnell die Übersicht. Ein Social-Media-Newsroom schafft Abhilfe.
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Zu unseren aktuellen Projekten gehören @1914Tweets, der Vokabel-Dienst eSpanien und das Feinschmeckerblog.
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Team

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Das Team von baranek online publishing stellt sich vor. Christian Soeder und Dirk Baranek wissen, wovon sie reden.
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Ein paar Anmerkungen zum Ende von 1914Tweets

Es ist exakt ein Jahr her, als wir eine fol­gen­schwere Ent­schei­dung fäll­ten: Das Jahr 1914 als Twitter-Chronologie neu zu erzäh­len. Name: 1914Tweets. Es war ein Höl­len­ritt. Es war begeis­ternd. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es war sehr viel Arbeit. Die posi­ti­ven Reak­tio­nen von sehr vie­len Leu­ten haben uns über­wäl­tigt und ange­spornt wei­ter zu machen, nicht nach­zu­las­sen, noch bes­ser zu wer­den, noch bes­se­res Mate­rial zu recher­chie­ren. Hier ein paar Anmer­kun­gen zum Ende des Projekts.

Die uner­war­tete Dyna­mik, der uner­war­tete Hass
Wir hat­ten von Beginn an Glück: schon nach zwei Tagen 1.000 Fol­lo­wer. Da war natür­lich die ursprüng­li­che Vor­stel­lung, es erst­mal lang­sam anzu­ge­hen und mal schauen, was draus wird, sofort obso­let. Anders als gedacht, war das Inter­esse also rie­sig. Nun muss­ten wir lie­fern. Um so mehr, als wir in der zwei­ten Janu­ar­wo­che auf den Radar der ein­schlä­gi­gen Exper­ten gerie­ten: Die pro­fes­sio­nel­len Geschichts­ver­mitt­ler nah­men uns aus­ein­an­der. Mir war bei Beginn nicht klar, dass es bereits eine aus­führ­li­che, sehr theo­rie­ge­trie­bene Dis­kus­sion über das Werk­zeug Twit­ter als Geschichts­me­dium gibt. Stich­wort: Reent­weet­ment. Wir gerie­ten sofort zwi­schen die Fron­ten. Ich möchte es hier noch mal ganz klar sagen: Es war und ist mir ver­dammt egal, was diese Damen und Her­ren den­ken und zu sagen haben. Unter­stüt­zung haben wir jeden­falls von die­ser aka­de­mi­schen Seite fast gar nicht erhal­ten. Fast, weil doch ein paar Inter­es­sierte uns ver­tei­digt haben. Denen möchte ich aus­drück­lich dan­ken. Andere haben uns ihre Ver­ach­tung, ihren Hass spü­ren las­sen, uns bil­lige Sen­sa­ti­ons­ha­sche­rei und Exploit­ment vor­ge­wor­fen oder auch unver­hoh­le­nes kom­mer­zi­el­les Eigen­in­ter­esse. Es ging so weit, dass uns von der Bühne der re:publica 14 pro­phe­zeit wurde, dass das Pro­jekt schei­tern wird. Ich denke, das Gegen­teil ist eingetreten.

Ich sage es hier ganz deut­lich an die Adresse die­ser destruk­ti­ven, aka­de­mi­schen Welt: Go fuck yourself!

Die meis­ten die­ser Leute zer­re­den lie­ber alles, machen nichts öffent­li­ches und daher keine Feh­ler. Es wird ein­fach zu wenig Krea­ti­ves ver­sucht und geschaut, was pas­siert. Es ist genau diese behä­bige, selbst­ge­fäl­lige Beden­ken­denke, die mich an der Geschichts­wis­sen­schaft in Deutsch­land abstößt. Diese Leute kön­nen es nicht ertra­gen, dass irgend­et­was außer­halb ihres aka­de­mi­schen Elfen­bein­turms pas­siert, ohne ihre Regeln und ver­kopf­ten Rituale, die sie sich selbst gege­ben haben und die einer öffent­lich rele­van­ten Geschichts­schrei­bung nur im Weg stehen.

Hin­fort mit all die­sen fes­seln­den Appa­ra­ten! Fröh­li­che Wis­sen­schaft! Wir wol­len pro­fes­sio­nell und krea­tiv Geschichte erzäh­len und füh­ren keine wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­sio­nen! Wir brin­gen Ergeb­nisse und keine Theo­rie­pro­to­kolle. Wir wol­len Spaß haben, weil wir His­to­ri­ker aus Lei­den­schaft sind. Ich bin nach wie vor über­zeugt, dass hun­derte von Geschichts­blogs noch nicht mal ansatz­weise ver­sucht haben, was eigent­lich unbe­dingt erfor­der­lich wäre: Geschichte im Inter­net zu erzäh­len. Jetzt, da Mil­lio­nen Doku­mente online und all­ge­mein zugäng­lich vor­lie­gen, ist es an der Zeit, diese pro­fes­sio­nell zu nut­zen, span­nend zu prä­sen­tie­ren, anschau­lich zu ver­ar­bei­ten. Das haben wir versucht.

Das Pro­jekt nimmt Form an.
Wie das so ist bei einem Pro­jekt, das man aus einer Laune her­aus star­tet: Es ver­wan­delt sich im Lauf der Zeit enorm. Als wir began­nen, hat­ten wir kei­nen ein­zi­gen Tweet geschrie­ben. Es gab nur die Idee, das Jahr 1914 in Tweets nach­zu­er­zäh­len. Und zwar nicht als SpOn 1914 son­dern aus der Per­spek­tive eines all­wis­sen­den Erzäh­lers. Das ist schwie­rig durch­zu­hal­ten und führt immer wie­der zu Wider­sprü­chen und Grat­wan­de­run­gen. Ein Bei­spiel: Wir haben das Foto von Hit­ler aus dem August 1914 nicht gebracht. 1914 war Hit­ler ein Nie­mand. Erst nach dem Krieg betrat er die poli­ti­sche Bühne. Wir haben ent­schie­den, das als irre­le­vant für unser Pro­jekt ein­zu­stu­fen. Ähn­lich wie Geburts­tage von Leu­ten, die spä­ter zu Per­so­nen des öffent­li­chen Inter­es­ses wur­den. Ana­log dazu haben wir nie Fak­ten gebracht, die über den Tag hin­aus­wei­sen. Ein zunächst eisern durch­ge­hal­te­nes Prin­zip hin­ge­gen muss­ten wir punk­tu­ell auf­ge­ben: Nur Dinge zu erzäh­len, die sich auf den Tag genau datie­ren las­sen. Dann hät­ten wir hun­derte Fotos nicht ver­öf­fent­li­chen kön­nen, von denen man nur noch unge­fähr den Monat ihrer Ent­ste­hung sicher weiß. Das wäre ein zu gro­ßer Ver­lust gewe­sen und letzt­lich für das Pro­jekt kon­tra­pro­duk­tiv. Denn wir wol­len es ja so plas­tisch wie mög­lich gestalten.

Hitler 1914

Ein Foto, das wir nicht ver­öf­fent­licht haben: Adolf Hit­ler (rechts mit Schnurr­bart) ver­mut­lich Ende August / Anfang Sep­tem­ber 1914 in Frankreich. 

Geschichte in Hash­tags
Wir haben Hash­tags genutzt, so wie man das eben auf Twit­ter macht, damit Zusam­men­hänge auf den ers­ten Blick deut­lich wer­den. Zum Bei­spiel wenn wir Reichs­tags­de­bat­ten vert­wit­tert, Sequen­zen aus Tage­bü­chern oder Feld­post­brie­fen zitiert und Ent­wick­lun­gen nach­ver­folgt haben, die sich über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­zie­hen, wie den mexi­ka­ni­schen Bür­ger­krieg oder die Liman-Sanders-Affäre. Geschichte in Hash­tags — das ist nun wirk­lich ganz neu als his­to­rio­gra­phi­sches For­mat. Übri­gens ein typi­sches Ele­ment, das wir erst im Laufe der Zeit ent­wi­ckelt haben, wie so man­ches erst wäh­rend der Umset­zung ent­stan­den ist. Wir haben viel pro­biert, um Dinge mög­lichst leben­dig zu insze­nie­ren. Eini­ges hat funk­tio­niert, ande­res nicht. Von daher wür­den wir viel­leicht heute so man­ches anders machen. Man lernt eben dazu, wenn man sich auf so ein Pro­jekt einlässt.

Die Quel­len
Ein Vor­wurf aus der aka­de­mi­schen Ecke kam immer wie­der: Ihr ver­linkt nicht auf die Quel­len; so geht das nicht, das ist unwis­sen­schaft­lich. Wir hal­ten dem ent­ge­gen: Links ner­ven auf Twit­ter nur, neh­men Platz weg, len­ken von der eigent­li­chen Story ab, die wir erzäh­len wol­len. Wir haben ein ande­res Prin­zip ver­folgt: Jeder Inhalt eines Tweets ist goog­le­bar. Das wer­den die geneig­ten Lese­rin­nen ja wohl noch hin­krie­gen, so viel kann man ver­lan­gen. Jeder Tweet ist also quasi die ver­steckte Moti­va­tion, sich wei­ter zu infor­mie­ren, wenn man etwas ver­tie­fen möchte. Trotz­dem haben wir natür­lich aus­gie­big mit Quel­len gear­bei­tet. Das ist ja die eigent­li­che Stärke des Pro­jek­tes, diese Zeug­nisse aus­zu­brei­ten. Ohne die inzwi­schen mil­lio­nen­fach vor­lie­gen­den Schrift­stü­cke aus die­ser Zeit wäre das Pro­jekt gar nicht umsetz­bar gewe­sen. Zu nen­nen sind hier vor allem umfang­rei­che Samm­lun­gen digi­ta­li­sier­ter Tages­zei­tun­gen aus Öster­reich und Frank­reich, ein paar (1, 2, 3) aus Deutsch­land oder auch den USA. Pro­blem aller­dings war, dass ziem­lich exakt mit dem Kriegs­be­ginn diese Quel­len kaum noch nutz­bar waren: Die Pro­pa­ganda und die Zen­sur haben auf allen Sei­ten aller Kriegs­par­teien die Wirk­lich­keit mani­pu­liert. Daher sind wir ab die­sem Zeit­punkt fast voll­stän­dig auf die Augen­zeu­gen­be­richte von Kriegs­teil­neh­mern umge­stie­gen, ins­be­son­dere Tage­bü­cher, da auch die Feld­post zen­siert wurde. Des­halb war die Euro­peana, in der man viele per­sön­li­che Zeug­nisse fin­det, von außer­or­dent­li­cher Bedeu­tung. Ansons­ten haben wir viel mit den Fotos der Library of Con­gress gear­bei­tet, die online kom­plett vor­lie­gen­den Reichs­tags­pro­to­kolle genutzt und viele Detail­fak­ten aus der Wiki­pe­dia geholt. Bücher haben wir auch gele­sen, klar… Neben dem unver­meid­li­che Clarke war das etwas ange­staubte, aber sehr detailfreu­dige Buch August 1914 von Tuch­man hilf­reich sowie natür­lich die Stan­dard­werke von Janz und Kru­meich. Ansons­ten haben wir viel gegoo­gelt. Bei letz­te­rem musste knall­hart veri­fi­ziert wer­den, denn es gibt so unend­lich viel Schrott da draußen …

Ein Blick in die Sta­tis­tik
So rich­tig kom­plett las­sen sich dem Analytics-Tool, das Twit­ter selbst bereit­stellt, die Zah­len nicht ent­neh­men. Ein paar Ein­sich­ten gibt es aber doch, die ganz auf­schluss­reich sind.

  • In der Regel wird ein ganz nor­ma­ler Textt­weet von 1.000 bis 1.500 Nut­zern gesehen.
  • Wenn ein Tweet mehr­fach ret­wee­tet wird, steigt die Sicht­bar­keit in der Regel auf etwa das Dop­pelte: 2.000 bis 3.000 Ansichten.
  • Bil­der erzie­len gene­rell eine bes­sere Reich­weite (+20–30%) als Nur-Text-Tweets. Eigent­lich eine Bin­sen­weis­heit, aber trotz­dem immer wie­der inter­es­sant zu sehen.
  • Wenn ich alle ver­füg­ba­ren Daten zusam­men­zähle und irgend­wie rea­lis­tisch inter­po­liere, dann schätze ich, dass wir ins­ge­samt mit den über 5.600 Tweets irgend­was zwi­schen 15 und 20 Mil­lio­nen Ansich­ten erzielt haben.

Fol­lo­wing, Unfol­lo­wing
Das Fol­lo­wer­wachs­tum hat sich stoß­weise ent­wi­ckelt. Am Anfang gab es bin­nen zwei Tagen ca 1.000 Inter­es­sierte. Dann kam Mitte Januar ein Arti­kel im schwei­ze­ri­schen Tages­an­zei­ger, der meh­rere hun­dert neue her­an­spülte. Dann ging es zunächst mal etwas lang­sa­mer wei­ter. Explo­diert ist es am Tag des Atten­tats, als unsere Tweets hun­dert­fach ret­wee­tet wur­den. Ähn­li­ches ließ sich Anfang August bei Kriegs­aus­bruch beob­ach­ten. Wir möch­ten an die­ser Stelle den vie­len Geneig­ten dan­ken, die uns emp­foh­len haben: Ohne #FF hät­ten wir nie die Reich­weite erzielt, die wir heute haben.
Es gab natür­lich eine Menge Unfol­lo­wings. Das ist völ­lig in Ord­nung. Nicht jede/r erhält das, was sie erwar­tet. Genau Zah­len habe ich nicht, aber ich gehe aktu­ell von ca 1.500 Unfol­lo­wings aus. Ins­ge­samt hät­ten wir in der gesam­ten Zeit­spanne also +/-7.000 Leute erreicht. Toll.

Wer sind die Fol­lo­wer­In­nen?
Die Sozio­lo­gie der Fol­lo­wer­In­nen ist, soweit ver­füg­bar, auf­schluss­reich. Das Twit­ter­tool geht von 85% männ­li­chen Fol­lo­wern aus, was ich aber in die­sem Über­ge­wicht etwas anzwei­fele. Bei den Stand­or­ten kom­men 9% aus Ber­lin, 8% aus Wien und je 3% aus Mün­chen, Ham­burg und Zürich. Bzgl der Län­der sieht es so aus: 61% D, 14% CH, 12% AUT, 2% NL, 12% Other Coun­tries.
Ich habe mir viele Pro­file von Fol­lo­wern ange­schaut, fast jeden Fav und RT ver­folgt. Eines ist mir bei die­sem Pro­jekt auf­ge­fal­len: sie kom­men aus allen poli­ti­schen Lagern, von rechts­kon­ser­va­tiv bis links­ra­di­kal fin­det man alles, selbst bei den Favs und RTs. Ich finde das gut. Eine Aus­nahme gibt es: Offen Rechts­ex­treme habe ich keine fest­stel­len kön­nen. Deren Welt­bild scheint auch bei die­sem Thema ganz anders struk­tu­riert zu sein.

Es gibt inzwi­schen einige Hardcore-Fans, Twit­te­rIn­nen, die jeden Tweet von uns gefavt und ret­wee­tet haben. Für diese Leute haben wir das gemacht. Ich möchte euch umarmen.

Hat es viel Arbeit gemacht?
Defi­ni­tiv. Ich habe die­ses Jahr keine Urlaubs­reise unter­nom­men, fast jedes Wochen­ende und viele Abende an dem Pro­jekt gear­bei­tet. Wenn man hoch­rech­net, dass jeder Tweet etwa 5–10 Minu­ten Zeit erfor­dert, kommt man bei 5.600 Tweets auf 60–120 Acht­stun­den­tage. Eine rea­lis­ti­sche Zahl…

Wie geht es jetzt wei­ter?
Zunächst mal gar nicht. Das Pro­jekt ist been­det. Wir wer­den aller­dings das Twit­ter­ar­chiv anfor­dern und ver­su­chen, dar­aus eine ver­nünf­tige Web­site zu bauen. Denn es ist ja so: Das Werk an sich gibt es in sei­ner Gesamt­heit nur auf Twit­ter. Die fina­len Fas­sun­gen der Tweets befin­den sich nir­gendwo sonst. Wäre alles viel zu auf­wän­dig gewe­sen. Manch­mal haben wir in letz­ter Minute noch auf Tweet­deck Kor­rek­tu­ren aus­ge­führt, ein­zelne Tweets geän­dert oder hin­zu­ge­fügt. Auch die über 1.000 Fotos befin­den sich nur auf Twit­ter. Wir wer­den ver­su­chen, die da wie­der run­ter­zu­ho­len und selbst zu hos­ten. Das wird Neu­land sein und wir müs­sen schauen, wie wir das pro­gram­mier­tech­nisch hinkriegen.

Und geht es noch wei­ter?
Viel­leicht 1918 vert­wit­tern? Fände ich sehr span­nend. Wer weiß. Denn zwei Erkennt­nisse blei­ben: Das Inter­esse in der Öffent­lich­keit, sich in die­ser Form über his­to­ri­sche Ereig­nisse infor­mie­ren zu las­sen, sie quasi auf einem Echt­zeit­strahl zu ver­fol­gen, ist defi­ni­tiv vor­han­den. Und das zweite: Mit einer lang­fris­ti­gen Vor­be­rei­tung hätte man es noch wesent­lich bes­ser machen kön­nen. Bes­ser geht näm­lich immer und hin­ter­her ist man zudem schlauer als wir eh schon sind (hh hh h). Auf jeden Fall wer­den wir ein sol­ches Pro­jekt nicht noch ein­mal alleine stem­men kön­nen. Mal schauen, ich habe da so schon eine Idee…

Habt ihr noch Fra­gen? Gerne!

Start-up oder Startup?

Der Bin­de­strich in dem Wort „Start-up“ wird ver­schwin­den, obwohl er eigent­lich sowohl im Deut­schen als auch im Eng­li­schen kor­rekt ist. Ein Aus­flug in den leben­di­gen Sprachwandel.

Recht­schrei­bung als Kern­kom­pe­tenz
Als pro­fes­sio­nelle Kom­mu­ni­ka­to­ren spielt die Recht­schrei­bung eine große Rolle in allen unse­ren Tex­ten, die wir für Kun­den und für eigene Zwe­cke ver­öf­fent­li­chen. Es han­delt sich schließ­lich um nichts weni­ger als um eine unse­rer Kern­kom­pe­ten­zen. Lei­der pas­sie­ren auch uns immer wie­der Tipp­feh­ler, die extrem unan­ge­nehm sind, weil sie am Selbst­ver­ständ­nis krat­zen und besagte Kom­pe­tenz in Frage stel­len. Das Gute an die­sem Pro­blem: Nur wer sel­ber fit ist in der Recht­schrei­bung, wird die Feh­ler in Tex­ten von ande­ren erken­nen. Ein Neben­ef­fekt in Bezug auf unsere publi­zis­ti­sche Tätig­keit: Wir sind fast immer online unter­wegs — in Blogs, Face­book usw. — und dort kön­nen Texte nach­träg­lich kor­ri­giert wer­den. Nur bei Twit­ter lei­der nicht …

Der Bin­de­strich muss sein
Ein in der Öffent­lich­keit oft fest­stell­ba­rer Feh­ler besteht in der kor­rek­ten Nut­zung des Bin­de­strichs. Das betrifft zum einen Kom­po­sita wie „Adidas-Schuhe“ oder zum ande­ren gerne auch Namen von Orten. Der Platz der Willy Brandt gewid­met ist, heißt eben „Willy-Brandt-Platz“ und nicht „Willy Brandt-Platz“.

Aller­dings wan­delt sich Spra­che auch und manch­mal muss man mei­nes Erach­tens ein­schlä­gige Stan­dard­werke, die kano­nisch die kor­rekte Schrei­bung fest­le­gen, ein­fach mal igno­rie­ren. Eine aktu­elle Recher­che lässt uns zum Bei­spiel zu dem Schluss kom­men, den oft für neue gegrün­dete Unter­neh­men ver­wen­de­ten Begriff „Start-up“ nun ohne Bin­de­strich zu verwenden.

Der kor­rekte Bin­de­strich: Start-up
Zunächst die Fak­ten. Das Wort „Start-up“ kommt aus dem Eng­li­schen. Dort wird der Begriff mit einem Bin­de­strich geschrie­ben, wie es die ein­schlä­gi­gen Lexika Webs­ter und Oxford Dic­tio­nary vor­schrei­ben. Daher emp­fiehlt auch der Duden die Schrei­bung „Start-up“ für deut­sche Sprache.

Das Chaos
Wie sieht aber die Pra­xis aus? Um es vor­weg­zu­neh­men: Es herrscht Chaos. Hier die Ergeb­nisse einer klei­nen Recher­che, die man auf den jewei­li­gen Web­sei­ten mit der Such­funk­tion durch­füh­ren kann.

Such­er­geb­nisse in New York Times:

  • start-up: 6,840,000 Treffer
  • star­tup: 8,470 Treffer

Selbst die alt­ehr­wür­dige und sicher her­vor­ra­gend lek­t­o­rierte NYT ist also anfäl­lig für die Falschreibung.

Noch chao­ti­scher geht es in den schnell dre­hen­den, ein­schlä­gi­gen Szen­pu­bli­ka­tio­nen aus, die sicher­lich nicht so sorg­fäl­tig gegen­ge­le­sen werden.

Such­er­geb­nisse Tech­Crunch:

  • start-up: 78.000 Treffer
  • star­tup: 23.221 Treffer

Daher kann es nicht ver­wun­dern, dass auch deut­sche Medien anfäl­lig sind für die Verwechslung.

Such­er­geb­nisse in Grün­der­szene:

  • Start-up: 2.145 Treffer
  • Star­tup: 5.776 Treffer

Selbst in der Online­aus­gabe von DIE ZEIT lässt sich das beobachten

  • Start-up: 1.084 Treffer
  • Star­tup: 211 Treffer

 

start-up_vs_startup

Die Faul­heit der Spre­che­rIn­nen
Spra­che ist ein wand­lungs­fä­hi­ges Medium. Die Spre­che­rIn­nen ver­än­dern sie stän­dig. Heer­scha­ren von Lin­gu­is­ten haben sich mit die­sem Thema beschäf­tigt und sind zu einem Schluss gekom­men: Einer der ent­schei­dends­ten Fak­to­ren, die Ver­än­de­run­gen der gespro­che­nen und dann der geschrie­be­nen Spra­che antrei­ben, ist die Faul­heit der Spre­che­rIn­nen. Alles Kom­pli­zierte wird irgend­wann dem mensch­li­chen Hang nach Ver­ein­fa­chung zum Opfer fallen.

Ein Bin­de­strich ver­schwin­det: Star­tup
Wir wagen die These: Der Bin­de­strich in „Start-up“ wird ver­schwin­den. Nicht sofort, aber in 5 bis 10 Jah­ren ist er weg. Gerade die jün­gere Gene­ra­tion geht an die­ser Stelle wie so oft voran. Bei­spiel die Web­site von Star­tup Stutt­gart: Start-up 33 Tref­fer, Star­tup 394 Tref­fer. Auch der Bran­chen­ver­band von Grün­dern hat sich dem bereits ver­schrie­ben. Er heißt „Bun­des­ver­band Deut­sche Star­tups e.V.“. Übri­gens fin­den sich selbst dort noch Tref­fer für „Start-up“. Ist eben alles nicht so ein­fach mit dem Sprachwandel…

Teilnahme an Fernsehdiskussion im RNF

Dirk Baranek
Vor­letzte Woche war ich ein­ge­la­den über „das Inter­net“ zu dis­ku­tie­ren, in der Sen­dung „Zur Sache“ des Mann­hei­mer Pri­vat­sen­ders Rhein-Neckar-Fernsehen. Auf­hän­ger war die Ver­öf­fent­li­chung eines Buches mit dem Titel „Zum Früh­stück gibts Apps“, das sich kri­tisch mit der um sich grei­fen­den Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Welt aus­ein­an­der­setzt.
wei­ter­le­sen

Projekt: Steuersoftware im Test — inklusive Video

Für steuern.de haben wir Steu­er­soft­ware getes­tet und ein Video pro­du­ziert — jetzt ist steuern.de live und unser Test ist online.


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Ello: Twitter-Killer oder Nerd-Spielzeug – und wie es funktioniert

Der neue Star am Social-Media-Himmel heißt Ello. Ello ist laut Eigenaus­kunft „a sim­ple, beau­ti­ful, and ad-free social net­work crea­ted by a small group of artists and desi­gners“. Momen­tan ist Ello noch in der Beta-Phase und man braucht eine Ein­la­dung, um mit­ma­chen zu können.

Was will Ello sein?

Ello will, um es kurz zu machen, das bes­sere Twit­ter sein: Keine Wer­bung, kein Spam, keine Ver­let­zung der Pri­vat­sphäre, kein Krach. Ello will schön sein.

Wie funk­tio­niert Ello?

Ganz ähn­lich wie Twit­ter — dann aber doch wie­der nicht. Bei Ello kann man die ande­ren Nut­ze­rIn­nen in „Fri­ends“ und „Noise“ ein­tei­len. Die „Friends“-Funktion ist die bekannte Timeline-Funktion, die man schon von Twit­ter kennt: Alle Pos­tings chro­no­lo­gisch ange­ord­net, ohne wei­tere Sor­tie­rung. Die „Noise“-Funktion hin­ge­gen fil­tert: Man bekommt hier keine chro­no­lo­gi­sche Time­line, son­dern die aktu­el­len Höhe­punkte der Accounts, die man mit „Noise“ mar­kiert hat.
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